Südamerikas schwarze Stimme


Es war einer der prägendsten Momente in der Geschichte der Demokratisierung Argentiniens. Mercedes Sosa steht auf der Bühne des Opernhauses in Buenos Aires und singt „Solo Le Pido A Dios“. Dieses Lied , das aufruft nicht zu vergessen, nicht stillzuhalten, wenn Ungerechtigkeit geschieht, war zur Volkshymne für die Zeit nach der Militärdiktatur avanciert.

Vor der politischen Repression war Mercedes Sosa zwei Jahre zuvor nach Europa geflohen. Nun war sie zurückgekehrt, um ihrem Volk Mut zu machen für die neue Ära. Ihr Leben lang war die Halbindigena politisch und sozial aktiv und wurde durch ihr Engagement zur Ikone ganz Südamerikas. Als Peronistin geriet sie mit der Militärjunta aneinander und wurde einmal sogar während eines laufenden Konzert es mitsamt Band und Publikum verhaftet.

„Yo No Canto Para Cantar“ – Ich singe nicht um zu singen, heißt passenderweise auch eines ihrer Alben. Mercedes Sosa war eine der wichtigsten Interpretinnen des Nueva Canción, des neuen politischen Liedes, das Ende der 50er in Lateinamerika entstanden war und in ganz Süd- und Zenralamerika populär wurde. Viele dieser Lieder fanden sogar Eingang in das Repertoire US-amerikanischer Folkmusiker, wie Joan Baez und Pete Seeger.

Pionierin des Nueva Canción und großes Vorbild Sosas war die Chilenin Violeta Parra. Diese hatte Ende der 50er Volkslieder gesammelt und ihnen neue, sozialkritische Inhalte gegeben.

Auch Mercedes Sosa sang anfangs Folklore. Geboren 1935 in der Provinz Tucumán, gewann sie bei einem Wettbewerb des lokalen Radiosenders einen zweimonatigen Vertrag. Der Durchbruch gelang ihr 1965 beim Festival Cosquin im Norden Argentiniens. Diesem entstieg sie als neuer Superstar.

Zeitlebens blieb La Negra, die Schwarze, wie sie von ihrem Publikum genannt wurde, eine Aktivistin für Frauen- und Menschenrechte. Auch eine schwere Krankheit hielt sie nicht davon ab, 2008 im Auftrag der UNICEF als Botschafterin für Lateinamerika und die Karibik aktiv zu sein.

Ihr letztes Album könnte man als Abschiedswerk betrachten. “Cantora“ enthält lauter Duette mit südamerikanischen Stars, wie Lila Downs, Caetano Veloso, Rene Perez, und sogar Shakira. Die Veröffentlichung erlebte Sosa nicht mehr. Kurz vor dem Erscheinen von „Cantora“ 2009 verstummte die „Stimme Lateinamerikas“ für immer. Mercedes Sosa wäre am 09. Juli 75 Jahre alt geworden.

Sir Keil erinnert im ByteFM Magazin vom 09.07. an Mercedes Sosa. Das ByteFM Magazin beginnt um 15 Uhr.

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