Tricky – "Mixed Race"

VÖ: 24.09.2010
Web: http://www.trickysite.com/
Label: Domino

Zwei Jahre nach seinem autobiographischen Werk „Knowle West Boy“ veröffentlich Tricky nun sein neuntes Studioalbum. Produziert hat er „Mixed Race“ in Paris, seinem momentanen Wohnort. Beeinflusst ist es aber nicht vom französischen Chanson, wie vielleicht nahe liegen könnte, sondern vielmehr von amerikanischer Musiktradition.

Das liegt an den vielen assoziationsstarken musikalischen Elementen: Bluesgitarre („Every Day”, „Come To Me”), Jazztrompete („Early Bird, „Come To Me”), funkige Grooves („Kingston Logic”, „Murder Weapon”), Boogie Woogie Melodien („Come To Me“). Gleich der erste Track „Every Day“ erinnert an die klassischen Worksongs schwarzer Sklaven. Aber auch anderer Quellen hat sich Tricky bedient. Das Album steckt voller Zitate, die beiden offensichtlichsten sind „Girl from Ipanema“ in „Come To Me“ und „My Way“ in „Murder Weapon“. „Murder Weapon“ ist auch die erste Singleauskoppelung und die Neufassung eines Dancehall-Klassikers aus den 90ern.

Besonders sticht „Hakim“ hervor, eine Zusammenarbeit mit Hakim Hamadouche. Der prägnante maghrebinisch-arabische Gesang fährt durch Mark und Bein. Tricky macht nicht den Fehler, besonders orientalisch klingen zu wollen, sondern setzt auf eine reduzierte Instrumentierung mit Akustikgitarre. Überhaupt könnte man „Mixed Race“ als relativ simpel inszeniert bezeichnen – im positiven Sinne. Tricky hat alles Unnötige weggelassen, ohne leer oder langweilig zu wirken. Das mag daran liegen, dass sich zwischen all den vom Blues und Jazz inspirierten Nummern vereinzelte, dramatisch düstere TripHop-Songs platziert sind („Ghetto Stars“, „Really Real“, eher deep: „Time To Dance“) und mit dem letzten Track „Bristol To London“ findet sich sogar ein potentieller Dancefloor-Hit.

Trotz all der verschiedenen Stile und Einflüsse ist das Werk in sich geschlossen, zusammengehalten von Trickys unverkennbarem, heiser gehauchten Vokal-Stil. Wie immer hat er mit unzähligen Gastmusikern zusammengearbeitet, unter anderem die irisch-italienische Sängerin Franky Riley, Primal Scream Sänger Bobby Gillespie und sogar Trickys Bruder Marlon Thaws (Nr. 13 von 14 Geschwistern!).

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 15 und 18 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Außerdem verlosen wir in jeder Magazinsendung unter allen Freunden von ByteFM ein Exemplar der CD. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    20.09.: Social Network im Kino : ByteFM Magazin
    Sep 20, 2010 Reply

    […] “I can still be really dark in my mind” sagt Tricky im Interview beim Guardian über sich selbst. Seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dessen Verarbeitung in seinem aktuellen Werk “Mixed Races” bilden Sujet des Interviews. Eine ausführliche Rezension von “Mixed Races” – unser Album der Woche – findet Ihr auf der ByteFM Magazinseite. […]

  2. posted by
    Tricky – ein ganzer Kerl dank Trip Hop : ByteFM Magazin
    Sep 22, 2010 Reply

    […] noch ein neues Album von Tricky: Mixed Race, unser Album der Woche, heißt seine neue CD und wenn ich mal kurz persönlich werden darf: Es ist das beste, das er seit […]

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