Album der Woche: Fink – „Hard Believer“

Fink - Hard BelieverVÖ: 11. Juli 2014
Web: finkworld.co.uk
Label: R’COUP’D / Ninja Tune

Es gibt wohl wenig Künstler, die eine ähnlich bedeutende 180°-Wendung hingelegt haben: Grob zwanzig Jahre sind vergangen, seit Fin Greenall sein erstes Musikprojekt startete. Sein Herz schlägt damals noch ausschließlich für britische elektronische Musik. Als DJ und Produzent wird er Mitte der 90er-Jahre zu einem der angesagtesten Acts der Insel. 2006 dann der Wandel: Das Album „Biscuits For Breakfast“ erscheint, und Fink ist nicht mehr nur Fink allein, sondern ein Trio: Zusammen mit seinen langjährigen Freunden Tim Thornton und Guy Whittaker nimmt Fin Greenall das Album auf, welches erstmalig eine erdige Singer-Songwriter-Seite zum Ausdruck bringt. Nicht nur, dass Fink damit der erste Singer-Songwriter ist, der beim traditionsreichen, elektronisch orientierten Label Ninja Tune unter Vertrag ist – auch der Eintausch von Plattenspieler gegen Akustikgitarre macht Greenall zu einem beeindruckend Beispiel, wie lebendig die Musikszene ist und wie sehr sich die Durchbrechung musikalischer Grenzen und Erwartungen auszahlt: Von Kritikern gelobt, von den Fans damals vereinzelt kritisch betrachtet, arbeitet sich Fink über die Jahre zu einem Indie-Blues-Act, der viele neue Fans begeistert, darunter zahlreiche Musikerkollegen: So kollaboriert er mit Amy Winehouse, John Legend und Bonobo.

Das neueste Album „Hard Believer“ ist in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung an das 2011 erschienene „Perfect Darkness“. Beide entstanden zusammen mit dem populären Produzenten Billy Bush und enthalten jeweils zehn Songs. Der Vorgänger wurde in 20 Tagen entwickelt und aufgenommen, „Hard Believer“ sogar nur in 17. Die Musiker setzen sich bewusst einen straffen zeitlichen Rahmen aus Angst vor Überproduktion und zu vielen Ideen, welche die Authentizität des Werks zerstören könnten. Die zehn Songs der aktuellen LP klingen folglich sehr rau, intuitiv und ehrlich. Fink geben den Songs genügend Raum und Zeit zum Atmen und Entfalten. Lange Intros und Outros sind die Folge, die aus „Hard Believer“ ein fast meditatives Werk machen. Der Titeltrack klingt da mit seinem stampfenden Beat und den repetitiven Gesangs- und Gitarrenparts gar wie eine Beschwörung, mit der Fin Greenall das Objekt seiner Begierde für sich gewinnen will: „We were made for each other, won’t you believe me now?“ Verschwommene konzentrische Kreise auf dem Albumcover sowie in den beiden bisher veröffentlichten Musikvideos unterstreichen die teils hypnotische Wirkung dieser Musik.

Nachdenkliche Lyrics führen nicht zwangsläufig zu melancholischer Musik, im Falle von „Hard Believer“ überwiegt aber doch die Kombination aus beidem, wie auch bei „Looking Too Closely“: „You don’t wanna hurt yourself, by looking too closely“ singt Greenall und übt damit Kritik an der Gesellschaft und dem Individuum, die Welt nicht so zu sehen, wie sie ist. Stattdessen erkennt man eigene Fehler nicht an und versteckt sich vor der Wahrheit. Die Musik transportiert die nötige Emotion in Form von klugen Gitarrenriffs und traurig-schön klingenden Pianoakkord-Folgen. Der Song beginnt, wie auch der Großteil der restlichen Stücke, ruhig und verhalten, bevor er sich zu einer Welle von heftigen Gitarrenmauern und treibenden Drums zusammenbraut, um dann schlussendlich in sich zusammenfallend den Hörer vom gerade erlebten Alternative-Blues-Rock-Sturm überrascht zurückzulassen. Mit genügend Aufopferung, Talent und Hingabe entstehen große Alben, und mit „Hard Believer“ zeigt Fin Greenall ein weiteres Mal, dass seine Entscheidung genau richtig war.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Fink“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Fatherofthegroom-speech.co.uk
    Jul 29, 2014 Reply

    Fatherofthegroom-speech.co.uk…

    Album der Woche: Fink – „Hard Believer“ : ByteFM Blog…

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