Arca – „Arca“ (Rezension)

Cover des Albums Arca von ArcaArca – „Arca“ (XL)

Veröffentlichung: 7. April 2017
Web: arca1000000.com
Label: XL

8,0

Zögerlich bahnt sich eine Tinnitus-Melodie an, tiefe Töne greifen sie auf und spiegeln sie. Wie Sirenengesang vom lichtlosen Meeresboden klingen die ersten Töne auf „Arca“, dem neuen Album von Alejandro Ghersi alias Arca. „Quítame la piel de ayer“, singt er darüber, „zieh mir die Haut von gestern ab“. Wie ein Phönix aus der Asche steigt Arca nach oben. Die Dramatik der Metapher ist völlig angebracht, denn Elegie, Hingabe und das Gefühl des Sich-Verzehrens umkreisen und verwirren die 13 neuen Songs.

Als „Coming of Tongue“ statt „Coming of Age“ könnte man „Arca“ bezeichnen. Ghersi findet seine Stimme im doppelten Sinne: Zum ersten Mal rückt der venezolanische Produzent seinen Gesang in den Vordergrund und wählt als Vehikel seine Muttersprache Spanisch. Das Private und Intime lässt sich schließlich am genausten in der Sprache ausdrücken, mit der man aufwächst – der Sprache, in der man lernt, Mensch zu werden, Identität(en) herauszubilden.

Solche Konzepte verwischt Alejandro Ghersi seit der Geburt seines Alter Egos Arca, ebenso die Grenzen zwischen Innen und Außen. Das geschieht in den Visuals zu seinen Shows, in denen Körper sich in ständiger Verfremdung winden. Und musikalisch zeigte sich das auf Arcas letzten beiden Alben „Mutant“ und „Xen“ in Form von monströser Zerstreuung. Wie Schrapnell flogen da verschiedenste tonale Bruchstücke durcheinander, jeder Track wirkte wie ein Schwarm aus Klängen, ständig in Veränderung begriffen.

Auf „Arca“ erscheint dieses Chaos nur in kleinen Teilen, flackert zwischen den von Ghersi dargeboten Arien und Klageliedern immer wieder auf. Zum ersten Mal lässt der Musiker Zurückhaltung in seinen Kompositionen walten und stellt sich in den Mittelpunkt seiner Produktionen. Mit seiner Stimme nimmt Arca Form an. Sein Gesang – zwischen Bariton, Countertenor und Cyborg wechselnd – unterstreicht die sanftmütige Zerbrechlichkeit der neuen Tracks.
„Arca“ klingt übermenschlich und postapokalyptisch, wie die surrende Stille nach dem großen Knall.

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