Dick Dale, der König der Surf-Gitarre, ist tot

Foto von Dick Dale

Dick Dale (Foto: Miles Gehm [CC 2.0, dieses Bild wurde digital nachbearbeitet])

Wie klänge die Pop-Musik heutzutage ohne Dick Dale? Wahrscheinlich um einiges leiser. Der Musiker war nicht nur die Speerspitze des Surf-Rocks, der Anfang der 60er-Jahre die US-amerikanische Westküste dominierte – Dales aggressiver, pfeilschneller Gitarren-Sound zeigte zum ersten Mal, wie laut und gefährlich dieses Instrument klingen konnte. Am 16. März 2019 ist er im Alter von 81 Jahren an Herzversagen gestorben.

Dick Dale wurde am 4. Mai 1937 als Richard Anthony Monsour in Boston als Kind libanesischer und polnisch-weißrussischer Eltern geboren. Im Alter von neun Jahren lernte er Klavier zu spielen, es folgten Trompete, Ukulele und Gitarre. Die libanesische Folk-Musik, mit er durch seinen Vater sozialisiert wurde, inspirierte ihn genauso sehr wie die Country-Songs von Hank Williams. Als Dale 17 Jahre alt war, zog seine Familie nach Süd-Kalifornien, wo er seine (neben der Musik) zweitgrößte Leidenschaft entdeckte: das Surfen.

Eine Gitarre wie ein Maschinengewehr

1961 begann Dale mit seiner Band The Del-Tones eine sechsmonatige Residenz im Rendezvous Ballroom in Newport Beach. Die Konzert-Reihe wurde zu einem großen Erfolg mit jugendlichen SurferInnen, wöchentlich versammelten sich bis zu 4.000 Menschen in dem Konzertsaal. Das Publikum war so ekstatisch, dass Dales bis zum Anschlag aufgerissene Verstärker von der kreischenden Menschenmasse übertönt wurden. Als sein Unterstützer Leo Fender das mitbekam, konstruierte ihm der Musikinstrumentenbauer den weltweit ersten 100-Watt-Gitarren-Amp.

Mit diesem mächtigen Gerät im Rücken wurde Dales Gitarre zu einer Waffe. Mit dem Tempo eines Maschinengewehrs feuerte er Tonsalven aus seinem Instrument, die lauter und schneller als alles waren, was zur Zeit geläufig war. Seine Melodien bewegten sich nicht nur flinker als andere, sie bewegten sich auch in den damals für westliche Pop-Musik sehr ungewöhnlichen Tonleitern der libanesischen Folk-Musik. Er versah sein Instrument mit doppelt so dicken Saiten, um seinen extrem perkussiven Anschlägen standhalten zu können. Zusätzlich erkannte Dale als einer der ersten Musiker das Potential des Reverb und tränkte seine Tonkaskaden in den nassen Hall, den man heutzutage mit Surf-Rock in Verbindung bringt.

Seine Alben „Surfer‘s Choice“ und „King Of The Surf Guitar“ machten Dale auch über den US-amerikanischen Surf-Boom hinaus zu einem Star. Mitte der 60er-Jahre zog er sich aufgrund einer Krebserkrankung aus dem Musikgeschäft zurück, doch sein Sound verschwand nie so ganz: Sowohl Psych-Rock-Revolutionär Jimi Hendrix, Heavy-Metal-Musiker wie Eddie Van Halen als auch Indie-Rock-Gitarristen wie Peter Buck (R.E.M.) oder Joey Santiago (Pixies) wurden von Dick Dale beeinflusst. Und als Quentin Tarantino 1994 Dales Tremolo-Feuerwerk „Miserlou“ als „Misirlou“ im Vorspann von „Pulp Fiction“ verwendete, brachte er seinen Sound an eine ganz neue Generation.

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