Donna Blue im Interview: bittersüße Traumwelten & 60s-Pop

Pressebild des Duos Donna Blue

Donna Blue

Dass Danique van Kesteren und Bart van Dalen Fans von David Lynch sind, ist kein großes Geheimnis. Die Musik ihres gemeinsamen Projekts Donna Blue ist nämlich von eben jenem mysteriösen, undurchdringlichen Nebel umgeben, der auch die Soundtracks des US-amerikanischen Regisseurs und Musikers auszeichnet. Die Melodien sind anschmiegsam, der Gesang gehaucht, die Gitarren glänzen nostalgisch – und dennoch beschleicht einen die ganze Zeit das Gefühl, das hinter der nächsten Ecke etwas Gefährliches lauern könnte.

Doch Lynchs bittersüße Traumwelten sind nicht alles, was hier nachhallt: die ausgewaschene Pop-Musik der 60er-Jahre scheint ein omnipräsenter Einfluss, von US-amerikanischen Girlgroups wie The Ronettes bis zu dem psychedelischen Yé-Yé einer France Gall. Die Songs von Donna Blue klingen wie aus der Zeit gefallen, über ein halbes Jahrhundert vom heutigen Pop-Status-Quo entfernt. Ihre Musik ist intim, nostalgisch, verträumt. Mehr ausgeblichene Super-8-Aufnahme als große Kino-Leinwand.

Am 19. September eröffneten Donna Blue das Dutch Impact Showcase auf dem Hamburger Reeperbahn Festival, bei dem sich an einem Abend NewcomerInnen aus den Niederlanden vorstellten. Wenige Stunden bevor sie die Bühne des Molotow betraten, waren van Kesteren und van Dalen zu Gast im ByteFM Magazin. Vanessa Wohlrath sprach mit ihnen über Valentinstage, Nostalgie und – natürlich – David Lynch.

Fangen wir am Anfang an: Wo kommt Ihr her? Wo habt Ihr Euch getroffen?

Bart van Dalen: Es hat alles an einem Valentinstag angefangen. Wir kommen beide aus der Nähe von Amsterdam und sind seit einiger Zeit ein Paar. Auf einmal hat Danique mir zum Valentinstag einen Song geschenkt, den sie selbst geschrieben hat. Das hat mich sehr überrascht, so etwas hatte sie vorher noch nie gemacht. Und er klang sehr schön!

Danique van Kesteren: Und Du warst ja schon länger Musiker. Da beschlossen wir einfach, gemeinsam Musik zu machen.

Welcher Song war es, den du Bart geschenkt hast?

Danique: (schmunzelt) Den gibt tatsächlich nicht online zu hören, der war ja ein Geschenk.

Bart: Wir fanden es gut, diesen Song für uns zu behalten. Aber an diesem Moment fing alles an!

Danique: Eine Woche später haben wir „Baby“ geschrieben – den ersten richtigen Donna-Blue-Song.

Wie habt Ihr herausgefunden, dass Ihr beide gemeinsam als Duo funktioniert?

Bart: Unsere Musik hat so ein bisschen das Gefühl einer alten Hollywood-Romanze. Wir haben gemeinsam sehr sehr viele Filme gesehen, speziell ältere, französische Filme.

Danique: Und David-Lynch-Filme!

Bart: Genau. In „Twin Peaks“ gibt es diese Szene, in der James gemeinsam mit seinen Freundinnen Donna und Maddy einen Song singt. Kurz bevor die lang erwartete dritte Staffel erschienen ist, haben wir genau diese Szene für das Video zu „Baby“ nachgestellt. Dieses romantische Knistern umzusetzen zusammen mit Musik umzusetzen hat nicht nur sehr gut funktioniert – es hat uns auch noch sehr viel Spaß gemacht.

Danique: Von da an haben wir einfach gemeinsam experimentiert. Wir haben einen sehr ähnlichen Musikgeschmack und kennen uns schon lange – es hilft schon sehr, genau zu wissen was der andere denkt.

Ihr seid Teil des Dutch Impact Showcase beim Reeperbahn Festival. Wie würdet Ihr die Musikszene in den Niederlanden beschreiben?

Danique: Es gibt alles in allem sehr viele Entfaltungsmöglichkeiten, sehr viel Diversität und viel Support zwischen den Acts.

Bart: Wir haben im vergangenen Jahr mit Dutch Impact eine große Tour durch die kompletten Niederlande gespielt, 25 Konzerte.

Danique: Zu Dutch Impact gehören rund 100 Bands, von denen sich auch viele kennen. Ganz viele tolle MusikerInnen, die auch alle gegenseitig in den Bands unterstützen.

Kennt Ihr einige von den Bands, die beim Reeperbahn Festival spielen, persönlich?

Danique: Ja. Wir kennen und mögen zum Beispiel YĪN YĪN, Feng Suave und Someone.

Was machen YĪN YĪN für Musik?

Danique: Eine Mischung aus Thai-Funk, Psychedelic und Retro-Disco – live ist das eine schöne Party.

Könnte man diesen „Retro-Vibe“ vielleicht als roten Faden der niederländischen Musikszene bezeichnen?

Bart: Vielleicht ist das gerade eher ein globales Thema. Schaut man sich Bands wie Khruangbin oder Molly Burch an. Vielleicht sehnen sich Menschen aktuell nach vergangenen Zeiten zurück? Wir beide hören die Musik, die wir hören weil sie sich zeitlos anfühlt. Wenn man sich jetzt Nancy Sinatra anhört, klingt das auch heute noch opulent.

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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