Julia Holter – "Loud City Song"

Julia Holter - Loud City SongVÖ: 16. August 2013
Web: juliashammasholter.com
Label: Domino

Julia Holters Alben verstehen es seit nun knapp drei Jahren, gekonnt an der Schwelle zwischen „ernsthafter“ Musik und Pop zu balancieren. Mit ungewöhnlicher Instrumentierung, durchdachtem Songwriting und einem Hang zum Theatralischen schaffte Holter einen eigenen Sound, der avantgardistische Komposition mit fein gesponnenen Songs verbindet. Für ihre neueste (dritte) LP ließ Julia Holter sich unter anderem von der 1944 erschienenen französischen Novelle „Gigi“ inspirieren. Diese handelt von dem jungen Pariser Mädchen Gigi, das zur Hofdame eines wohlhabenden Herrn gemacht werden soll. Dieser verliebt sich jedoch in Gigi und heiratet sie schließlich. Das Resultat von Julia Holters ambitioniertem Konzept, das diese literarische Vorlage mit ihrer Heimatstadt Los Angeles und dem Kult um Prominente verbinden soll, trägt den Titel „Loud City Song“.

Doch zunächst präsentiert sich die Platte alles andere als laut. Acappella mit fragiler Stimme und zartem Hintergrundgesang eröffnet „World“ das Album. Nach und nach reihen sich Violine, Klavier und Cello zurückhaltend ins Arrangement ein. Der Eindruck eines kammermusikalisch interpretierten Bachchorals kommt auf, und es ist Julia Holters Stimme, die den Titel genug in der Gegenwart hält, um ihn zeitgenössisch und modern klingen zu lassen. Wie in den meisten Songs auf „Loud City Song“ schildert sie ausschnitthaft emotionale Fragmente, die Holters eigenes Empfinden gegenüber der Stadt mit der literarischen Vorlage zusammenführen.

Am anderen Ende des Spektrums steht das paranoide „Horns Surrounding Me“, das mit einer Aufnahme einer schwer atmend rennenden Person beginnt und sich immer weiter mit gleichförmigem Bass, Bläsern, Streichern und hämmernden Drums in eine treibende musikalische Verfolgungsjagd steigert. Hier scheint es, als hätte die Stadt die Überhand über ihren Bewohner gewonnen, der panisch Reißaus nimmt.

Julia Holter beweist auf „Loud City Song“, dass sie in der Lage ist, eine äußerst facettenreiche Bandbreite an Emotionen und Stimmungen abzudecken. Von zarten, kontemplativen Stücken („Hello Stranger“) über atmosphärisch-jazzigen Sprechgesang („In The Green Wild“) bis zu apokalyptisch-bedrohlichen Bläsersätzen („Maxim‘s II“) liefert Holter eine Vielfalt an Songs, die keinen konventionellen Schemata folgen. „Loud City Song“ ist eine Verschmelzung von Kammermusik, Oper, Klangdichtung und intelligenter Experimentalmusik zusammengehalten von Julia Holters Gespür für Popmusik. Das klingt im Wortsinn theatralisch – ein Eindruck, der vom verkopften Konzept des Albums verstärkt wird. Dennoch geht Julia Holter feinsinnig mit der Thematik um und weiß die einzelnen Elemente hervorragend zusammenzuführen. Es ist keine zwingende Notwendigkeit, sich mit dem Konzept hinter „Loud City Song“ auseinanderzusetzen, denn das Album vermag es auch so, den Hörer von einer Emotion zur nächsten mitzureißen. Dennoch macht gerade die Verbindung zwischen fragmenthaften Eindrücken und dem Bezug zur literarischen Vorlage das Album zu einem außergewöhnlichen Stück Musik zwischen Kunst und Pop.

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