Neue Alben in dieser Woche (KW 39) – eine Auswahl

Clinic – „Bubblegum“
VÖ: 01.10.2010
Web: myspace
Label: Domino
Kaufen: ”iTunes"

In gewisser Weise passt der Titel „Bubblegum“ ganz gut zum neuen Album der Liverpooler. Weniger aufgekratzt, sondern lässig und schön zurückgelehnt eröffnen Clinic ihren mittlerweile sechsten Longplayer. Diese Stimmung zieht sich durch die kompletten 40 Minuten, wer aber nun glaubt, das müsse sich zwangsweise ziehen wie Kaugummi, den können wir beruhigen: Immer wieder gewinnen Clinic an Tempo, nehmen es wieder raus, lassen die 6ties-Gedächtnisorgel aufheulen und entführen einen unversehens in ihr verspultes Psychedelik-Popuniversum. Schuld daran ist auch Sänger Ade Blackburn, der seine einzigartige Stimme nicht wie gewohnt nasal-nörgelig und fordernd klingen lassen kann, sondern auch immer öfter mal ganz gemütlich einlullend. Produziert wurde das Album von John Congleton, der auch schon mit Bill Callahan und St. Vincent arbeitete.

Former Ghosts – „New Love“
VÖ: 01.10.2010
Web: myspace
Label: Upset The Rhythm
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Mit viel Pop-Appeal kommt Former Ghosts zweites Album „New Love“ aus den Katakomben des Gothic-Rocks gekrochen. Kein Jahr ist seit dem Debüt „Fleurs“ vergangen. Chefdirigent Freddy Ruppert erzählt mit Gaststimmen von Nika Roza Danilova (Zola Jesus) oder Jamie Stewart (Xiu Xiu) eine anekdotenreiche Geschichte. Der geneigte Hörer begibt sich auf die Fahrt in die Abgründe von Rupperts (und der menschlichen) verdorrten Seele.

Mice Parade – „What It Means To Be Left-Handed“
VÖ: 01.10.2010
Web: myspace
Label: FatCat
Kaufen: ”iTunes"

Zahlreiche Gerüchte oder Vorurteile bezüglich Linkshänder kursieren seit Generationen in der Gesellschaft: Linkshänder seien kreativer, generell intelligenter, oder sie leben kürzer (weil weniger angepasst in einer Welt voller Rechtshänder!). Alles Humbug, keine Frage. In Bezug auf das neue Mice Parade-Album aber muss man sagen: Kreativer, unangepasster und gekonnter geht es kaum, wie Adam Pierce und Co. ohne jegliche Genregrenzen südamerikanischen Jazz, konventionellen Gitarrenpop, Elektronika oder afrikanische Klänge da zusammenschrauben. Und die Frage nach der Lebenszeit? Die dürfte die schon über zehnjährige Bandgeschichte wohl von selbst beantworten!

No Age – „Everything In Between“
VÖ: 01.10.2010
Web: myspace
Label: Sub Pop
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Zu behaupten, dass in No Age schon immer eine Popband gesteckt hat, wäre sicher falsch. Und „Everything In Between“ ist sicherlich auch kein Popalbum geworden – dafür ist die Punk- und DIY-Attitüde zu sehr in jeder Note zu hören. Allerdings zeigt das neue Album der Band aus LA ganz klar, was für ein Songwritertalent in Randy Randall und Dean Spunt steckt. Und das Schönste daran: man hört, dass es sich beim Sound der Band nicht um Kalkül, sondern um die natürliche Evolution der Band handelt. Im Gegensatz zum Vorgänger „Nouns“ wurden die chaotischen Noise-Ausbrüche zurückgeschraubt und das Spiel mit Geräuschen und Samples perfektioniert. Durch die Mischung aus Melodieverliebtheit und Lärm wird eine unglaubliche melodische und strukturelle Vielfalt deutlich, die „Everything in Between“ beinahe zu einem Popalbum machen. Aber nur beinahe.

Silje Nes – „Opticks“
VÖ: 01.10.2010
Web: myspace
Label: FatCat
Kaufen: ”iTunes"

„Einsamkeit ist Unabhängigkeit […] Sie war kalt, o ja, sie war aber auch still, wunderbar still und groß wie der kalte stille Raum, in dem die Sterne sich drehen.“ Diese Zeilen schrieb einst Herrmann Hesse über die Zerrissenheit seines Protagonisten Harry in „Steppenwolf“. Silje Nes = Hesse für Ohren? Die norwegische Künstlerin veröffentlicht mit „Opticks“ ihr neues Album und begibt sich damit auf den schmalen Grat zwischen träumerischen Mallandschaften und lethargischen Kuschelpop. Einsam schleicht der Hörer den Weg entlang ins Dickicht – ohne zu wissen was ihn erwartet, in der Hoffnung vielleicht Antworten zu finden. Gekonnt vertont wird die Reise mit akustischer Gitarre, Percussion und sphärischen Sounds. Und dann wäre da natürlich noch die kindliche Stimme von Silje Nes, die beinahe flüsternd daher kommt. Die Symbiose von Instrumenten und Gesang macht die Reise, ja vielleicht den Traum, perfekt und wirkt entspannend. Vielleicht zu entspannend? Überzeugt Euch selber.

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