The Particles – „1980s Bubblegum“ (Rezension)

Cover des Albums „1980s Bubblegum“ der australischen Band The Particles

The Particles – „1980s Bubblegum“ (Chapter Music)

8,0

Danke einer Compilation, die gleichzeitig eine Gesamtschau ist, werden derzeit The Particles wiederentdeckt. Die Band hatte sich vor allem in ihrer Heimat Australien eine kleine, aber enthusiastische Fanschaft erspielt ,ist darüber hinaus nie über lokale oder Genregrenzen bekannt gewesen. Im goldenen Punk-Jahr 1977 von Peter Williams und Mick Smith gegründet und zu Beginn Teil der Punk-Szene Sydneys, hatte sich der Sound der Band bis zum Erscheinen der ersten EP im Jahr 1980 schon weit vom Punk entfernt.

The Particles haben es seinerzeit nie auf Albumlänge geschafft, drei Seven Inches und einige wenige Sampler-Beteiligungen waren alles, was die Band bis zu ihrem Split Mitte der 80er-Jahre zustande brachte. Bassist Stephen O’Neil landete bei The Lighthouse Keepers, genau wie zuvor schon Ur-Drummer Steven Williams. Ansonsten gestaltete sich das Line-up der Band wechselhaft: Die einzigen konstanten Bandmitglieder waren Peter Williams und Sängerin Astrid Spielman, die 1979 zur Band stieß. Spielman ist 2015 gestorben und so ist es an Williams, das kleine, aber feine Erbe von The Particles zu verwalten.

30 Minuten feinster Twee-Pop

Nun ist die Werkschau „1980s Bubblegum“ erschienen, wobei die Bezeichnung „Bubblegum“ wahrscheinlich als nicht ganz ernst gemeint ist. Denn so niedlich wie der wahre Bubblegum-Pop von zum Beispiel The Archies („Sugar, Sugar“ und so, Ihr wisst schon) ist die Musik von The Particles nie gewesen. Stattdessen werden Erinnerungen an Grenzgänger zwischen Pop und Punk wie Television Personalities wach. Auch wegen einer gewissen „Not-to-serious“-Attitüde, die beide Bands gemeinsam haben. Etwas später in den 1990ern fand sich der Begriff Twee-Pop für Bands wie Beat Happening und später Belle And Sebastian – was die ultra catchy Drei-Minuten-Pop-Songs von The Particles auch ganz gut beschreibt.

Auf „1980s Bubblegum“ sind die drei EPs von The Particles chronologisch angeordnet. Darüber hinaus gibt es noch einige Samplerbeiträge und Live-Versionen – und dann ist auch schon wieder Schluss. Die erste EP „Colour In“ erschien im Jahr 1980. Drei kurze, sehr schlanke Popsongs, knochentrocken produziert und mit wie von leichter Hand hingeworfenen Melodien (vor allem „Driving Me“). Infectious close harmonies. In den darauffolgenden Songs der zweiten EP „Advanced Colouring“ schleichen sich ein paar kleine Tape-Machine-Experimente in den Sound und auf der dritten, finalen EP „I Luv Trumpet“ von 1984 werden die Songs länger, die Arrangements komplexer. Eine Trompete wird, siehe EP-Titel, zum Signature Sound. Drei Jahre Anlaufzeit hat es gebraucht, bis das leichtfüßige „Dresses And Shoes“, das resignierte „Observations“ und vor allem der Quasi-Titeltrack „Trumpet Song“ The Particles noch einmal auf ein ganz neues Level hoben. Man darf schon fragen, warum da nicht mehr ging: „How could you expect me to be waiting? I waited long enough and where were you? I don’t believe the stories you’ve been fabricating, you keep me waiting, playing silly games with you.“

Jede der drei Schaffensphasen hätte ein ganzes Album verdient gehabt. Stattdessen bemisst sich der Gesamtoutput aus fast zehn Jahren Bandgeschichte abzüglich des Zusatz- oder Füllmaterials (je nachdem) auf 30 Minuten Twee-Pop. Alles vom Feinsten, immerhin.

Veröffentlichung: 7. Juli 2023
Label: Chapter Music

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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