Zen-Folk: „Pony“ von Stephen Steinbrink

Pressebild des Singer-Songwriters Stephen Steinbrink, dessen Song „Pony“ heute unser Track des Tages ist.

Stephen Steinbrink kehrt nach fünfjähriger Veröffentlichungspause mit dem Album „Disappearing Coin“ zurück (Foto: Western Vinyl)

Unser heutiger Track des Tages „Pony“ ist eine Single aus dem Album „Disappearing Coin“ des US-amerikanischen Singer-Songwriters Stephen Steinbrink. Seit den späten Nullerjahren hat der im kalifornischen Oakland ansässige Künstler zahllose Alben veröffentlicht, viele davon im Selbstverlag. Er selbst zählt acht, die diskografische Website Discogs einige Longplayer mehr. Erheblich wichtiger als die Zahl ist ohnehin, was auf seinen LPs so drauf ist. Und das ist von Anfang an ziemlich beeindruckend gewesen. Als er 2008 – da stimmen die Quellen überein – sein Debüt „Wedding“ veröffentlichte, war er gerade einmal ungefähr 20. Doch was dieser Jungspund mit einem analogen und einem digitalen Achtspur-Aufnahmegerät zu Hause aufnahm, klang nach einem erfahrenen Singer-Songwriter. Natürlich erklangen die an Elliott Smith und The Byrds geschulten Songs in Bedroom-Producer-Lo-Fi-Soundqualität. Aber das trug nur zu ihrem Charme bei.

Scheinbare Idylle

Dass er reifer klang, als sein Alter erwarten ließ, könnte an Steinbrinks Umfeld liegen. Geboren „in einem unscheinbaren stuckverzierten Klinikgebäude neben einem Convenience Store im ultrakonservativen Phoenix-Vorort Mesa, Arizona“, musste er sich schließlich irgendwie die Zeit vertreiben. Als Gegengift gegen die Ödnis lernte er, Gitarre zu spielen und führte „ein improvisiertes und experimentelles Leben“, wie er schreibt. Ziel der Angelegenheit war es, „nirgendwo zu sein und unaufhörlich Aufnahmen zu machen“. Daneben hat er als Studiomusiker unter anderem mit Girlpool, Dear Nora, Broken Water und Lake gearbeitet. Doch nach einem Jahrzehnt war er ausgelaugt, entfernte sich von der Musik. Er erlernte das Glaserhandwerk und begann eine buddhistische Mönchsausbildung.

Als Corona seine Pläne durchkreuzte, näherte er sich der Musik zunächst als Produzent wieder an. Irgendwann komponierte er doch wieder Songs: „Als ich langsam wieder anfing, für mich selbst zu schreiben, versuchte ich, meinen neuen Liedern dieses Gefühl der Verspieltheit und des Staunens zu verleihen, das ich empfand, als ich diese anderen Interessen erforschte.“ Auf diese Weise erschloss er sich neue musikalische Wege. Oft sind die Songs folkig, manchmal ganz klassisch, wie bei Simon & Garfunkel, manchmal erinnert ihre scheinbar schlichte Schönheit an Roddy Frame von Aztec Camera. Textlich sind die Stücke nicht immer so idyllisch wie ihr Sound. So verraten die Liner-Notes, dass unser Track des Tages „auf ironische Weise den aufkommenden Impuls [behandelt], seinen Zen-Meister während einer quälend langen Zeit der Sitzmeditation zu vermöbeln“.

Das Album „Disappearing Coin“ von Stephen Steinbrink ist am 18. August 2023 auf dem Label Western Vinyl erschienen. Der Song „Pony“ daraus ist heute unser Track des Tages. Hört und seht ihn Euch hier an:

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