Beach House – „7“ (Album der Woche)

Beach House - „7“ (Album der Woche)

Beach House – „7“ (Bella Union)

Als Beach House im vergangenen Jahr die Compilation „B-Sides And Rarities“ veröffentlichten, wirkte das ein bisschen wie eine Bestandsaufnahme. Seit 2007 machen Victoria Legrand und Alex Scally Musik, die zwar immer von der Kritik gefeiert und von ihren Fans verehrt wurde, deren Erfolgsformel aber seit ihrem selbstbetitelten Debüt kaum verändert wurde: tiefer Gesang von Legrand, der von warmen Synthesizer-Flächen getragen und von Scallys kristallenem Gitarrenspiel begleitet wird. Nach sechs Alben und elf Jahren Beach House war „B-Sides And Rarities“ ein guter Anlass, die Reste aus der letzten Dekade zu verwerten – und dann im Anschluss einen Neuanfang zu wagen.

Vorhang auf für „7“, das neue Album des US-amerikanisch-französischen Duos. Die elf neuen Songs wurden von Beach House in Eigenregie produziert, nur Spacemen-3-Gründungsmitglied Peter „Sonic Boom“ Kember stand ihnen als beratende Instanz bei. Klang die am Valentinstag veröffentlichte Single „Lemon Glow“ noch ein wenig vorhersehbar, so gibt der den Opener „Dark Spring“ eröffnende John-Bonham-Gedächtnis-Trommelwirbel einen ganz anderen Ton an: Auf „7“ klingen Beach House so selbstbewusst wie noch nie zuvor.

Flirrendes Feedback und epischer Ambient

Nach dem erwähnten Intro entpuppt sich „Dark Spring“ aber nicht als Led-Zeppelin-Geballer, sondern als an Stereolab erinnernden Noise-Pop, dessen flirrende Feedback-Gitarren jeder Zeit androhen, den Rahmen des Pop zu sprengen. So viel Gefahrenpotential kennt man gar nicht von dieser tendenziell eher anschmiegsamen Band. Ähnlich funktioniert die Single „Dive“, die nach der Hälfte ihr Dream-Pop-Gewand abstreift und sich mit schepperndem Schlagzeug und übersteuertem Gitarrenriff in eine überlebensgroße My-Bloody-Valentine-Hymne verwandelt.

Doch Beach House können auch überraschen, ohne am Gain-Regler zu drehen: Ein motorisierter Arpeggiator gibt dem hinreißenden „Black Car“ eine bedrohliche Tiefe, die auch von Legrands morbiden Textzeilen unterstützt wird: „We want to go / Inside the cold / It’s like a tomb / But it’s something to hold.“ Und das siebenminütige Ambient-Epos „Last Ride“ überspült einen zum Ende dieses Albums mit purer, fast schon an Post-Rock erinnernden Schönheit.

Und auch weniger umwerfende Songs wie „Girl Of The Year“ oder „Loose Your Smile“, die sich nahtlos in die Vorgängerplatten „Thank Your Lucky Stars“ oder „Depression Cherry“ einfügen könnten, erhalten umgeben von diesen Wunderwerken eine neue Frische. Beach House haben es auf „7“ geschafft, ihren Sound an genau den richtigen Stellen weiterzuentwickeln – ohne dabei die Qualitäten einer Beach-House-Platte zu verlieren.

Veröffentlichung: 11. Mai 2018
Label: Bella Union

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