Panda Bear – „Buoys“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Buoys“ von Panda Bear

Panda Bear – „Buoys“ (Domino)

Jedes Album, das Animal Collective in den letzten 19 Jahren veröffentlicht haben, lässt sich als komplett eigenständiges Werk bezeichnen: Vom winterlichen Noise von „Spirit They‘re Gone, Spirit They‘ve Vanished“ über den herbstlichen Freak-Folk von „Sung Tongs“ und zum sommerlichen Art-Pop von „Merriweather Post Pavilion“ bis zur psychedelischen Kirmes „Painting With“. Ein Faktor, der die Band aus Baltimore zu solch einer wandelbaren Maschine macht: Jedes einzelne Mitglied bringt seinen ganz eigenen Stil in die Gruppe ein. Avey Tare ist der Fachmann für expressiven Art-Rock, Geologist der Experte für frickelige Synthesizer und Sampler, Deakin der mal aktive, mal pausierende lückenfüllende Gitarrist und – an der Pop-Speerspitze – Panda Bear, der Melodienkönig, der das Harmonie-Gespür eines Brian Wilson mit der nonchalanten Lässigkeit eines Kurt Vile vereint.

Dieses Talent für strahlende Pop-Musik lebt Panda Bear, der mit bürgerlichem Namen Noah Lennox heißt, auch auf seinen Soloalben aus. Sein 2007er Opus Magnum „Person Pitch“ war ein wundersames Chillwave-Kaleidoskop, zusammengesetzt aus klimpernden Samples. Der Nachfolger „Tomboy“ war verspielte Lo-Fi-Zauberei. Das 2015 erschienene fünfte Album „Panda Bear Meets The Grim Reaper” war eine ansteckend psychedelische Mischung aus HipHop-Beats und Pop. Was all diese dispersen Platten verband: Lennox‘ zu vielen Schichten aufeinandergestapelter Gesang, mit Harmonien, die an beste Beach-Boys-Zeiten erinnern.

Wandelbar und wunderbar

Genau diese mehrstimmigen Gesangsstapeleien sind auf „Buoys“, dem nun erscheinenden sechsten Panda-Bear-Album, Geschichte. Statt verschachtelter Chor-Gesänge schallt einem im Opener „Dolphins“ eine einsame Autotune-Stimme entgegen. Unter dieser körperlos verzerrten Stimme blubbern Wassertropfen und weit entfernte Akustikgitarren. Ganz unten im Frequenzraum dröhnt ein bodenloser Sub-Bass. Im nächsten Song „Cranked“ zirpen digitale Synthesizer. In „I Know I Don‘t Know“ rasseln die Hi-Hats so prägnant, als wäre man in einem Migos-Track. Musik, die beim ersten Hören eher an moderne Trap-Produktionen als an den von Lennox gewohnten 60s-Psych-Pop erinnert.

Doch je mehr Zeit man diesem Album gibt, desto mehr entfalten sich die Songs in bekannte Richtungen. Unter den verstellten Stimmen und digitalisierten Akustikgitarren verbirgt sich der gleiche Pop-Zauber, den Lennox auf seinen Vorgänger-Platten erklingen ließ. Der Panda-Bear-Sound kommt auf „Buoys“ abstrahierter daher als je zuvor, ohne seinen Pop-Appeal einzubüßen: Lennox ist und bleibt ein Melodienkönig, der mit spielerischer Leichtigkeit Tonfolgen aus dem Ärmel schüttelt, die sich tief am Hirnlappen festkrallen – und einen so schnell nicht wieder loslassen. Mit „Buoys“ beweist er ein für alle Mal, dass er auch als Solokünstler genauso wandelbar wie seine Band ist.

Veröffentlichung: 8. Februar 2019
Label: Domino

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Markus
    Feb 14, 2019 Reply

    Grant Hart – 2541

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