Rio Kosta – „Unicorn“ (Album der Woche)

Von ByteFM Redaktion, 21. Juli 2025

Cover des Albums „Unicorn“ von Rio Kosta

Rio Kosta – „Unicorn“ (Verdigris Records)

Im Hotel Havana in Los Angeles, in dem einst 50er-Jahre-Sternchen Dick Caruso rauschende Partys mit illustren Gäst*innen wie Herbie Hancock und Joni Mitchell feierte, hängen einige Zettel an einer Wand. Es handelt sich hier um die „kreative Bibel“ von Mike Del Rio und Kosta Galanopoulos. Eine Sammlung von Leitsätzen, die die beiden Künstler im Schaffensprozess ihres ersten gemeinsamen Albums nicht aus dem Blick verlieren wollten. An erster Stelle: „Don’t fuck with nature!“ Damit meinen die US-amerikanischen Musiker, Songschreiber und Produzenten nicht etwa ihren ökologischen Fußabdruck, sondern ein Basis-Vertrauen an ihre Intuition: Manchmal passieren die besten Momente einfach von selbst, im Zufall. Und genau das sind die Momente, die es zu bewahren gilt.

Und die beiden scheinen zu wissen, wovon sie reden. „Unicorn“ ist das Debütalbum ihres gemeinsamen Projekts Rio Kosta, doch um Newcomer handelt es sich hier keineswegs: Galanopoulos saß bereits bei zahlreichen LPs (beispielsweise von Cassandra Jenkins und Brijean) am Drumset und am Mischpult, während Del Rio bereits als Songwriter, Musiker und Produzent für (Pop-)Stars wie Eminem oder Kylie Minogue arbeitete. Einer dieser naturgewollten Zufälle führte beide vor ein paar Jahren auf dasselbe Festival, wo sie sich musikalisch ineinander schockverliebten. Binnen kurzer Zeit war die Band gegründet, ein Raum im Hotel Havana gebucht – und die Idee zu „Unicorn“ geboren.

Generationen vereinende Grooves

Das telepathische Vertrauen dieser beiden Musiker ist direkt in ihrer Musik fühlbar:„Mountain Top“ eröffnet das Album mit warmem, melodischem Bass-Spiel, das von sanft im Einklang groovenden Drums und Congas umtänzelt wird. Stets im Hintergrund und trotzdem durchweg präsent: Galanopoulos‘ und Del Rios in enger Harmonie verwobene Falsett-Stimmen. Als Rio Kosta spielen sie weltgewandte Groove-Musik, nicht weit entfernt von Acts wie Sababa 5 oder Khruangbin – und doch von ihrer ganz eigenen Geschichte gezeichnet. In „Volar Lejos (Like A Feather)“ variieren sie die Rhythmen Puerto Ricos – die Heimat von Del Rios Großmutter. In „Ancients“ sampeln sie eine alte Kassettenaufnahme der griechischen Folk-Band von Galanopoulos‘ Vater. Dessen Mandoline klimpert total selbstverständlich um den trockenen Bass des Sohnes, mehrere Generationen vereint unter einem Groove.

Auch im Titeltrack „Unicorn“ hören wir eine Art Sample: Der Song basiert auf den allerersten Demo-Skizzen, die Galanopoulos und Del Rio bei ihrem ersten Zusammentreffen improvisierten und aufnahmen. Eine große Ode an die Kraft des Zufalls, benannt nach einem Fabeltier – und viel mehr noch eine Ehrung der spürbar tiefen musikalischen Verbindung dieser zwei Menschen.

Veröffentlichung: 18. Juli 2025
Label: Verdigris Records

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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