Tom Misch & Yussef Dayes – „What Kinda Music“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers „What Kinda Music“ von Tom Misch & Yussef Dayes

Tom Misch & Yussef Dayes – „What Kinda Music“ (Beyond The Groove / Blue Note)

Wir schreiben die frühen Nullerjahre. Tom Misch besucht die jährliche Talentshow seiner Schule, im Südosten Londons. Der Brite sieht dort einen überaus jungen Schlagzeuger auf der Bühne, der trotz seines Alters die Felle und Becken mit Präzision und Gefühl zum Singen bringt. Dieser Musiker heißt Yussef Dayes. Misch spürt sofort eine tiefe Verbindung. Dabei ist er gerade mal acht oder neun Jahre alt.

Über 15 Jahre sollten vergehen, bis die beiden Künstler tatsächlich miteinander diese Verbindung ausloten sollten. Erst 2018 trafen sie beim Launch-Event von Mischs Debütalbum „Geography“ wieder aufeinander. Der Gitarrist, Produzent, Songwriter und Sänger hatte sich mittlerweile zu einer illustren Gestalt der Londoner Nu-Jazz-Szene gemausert (auf besagtem Debüt gastierten Musiker wie De La Soul, Loyle Carner und GoldLink), während Dayes als Teil des Duos Yussef Kamaal als einer der vielen Hoffnungsträger des UK-Jazz gilt. Im gleichen Sommer begannen sie, gemeinsam in Mischs Studio zu jammen. Aus zwei anfänglichen Tracks wurden schnell zwölf Songs. Und plötzlich war ein Album fertig.

Alles ist verbunden

Und die Chemie stimmt. Mal wirkt ihre Zusammenarbeit auf „What Kinda Music“ wie ein Dialog zwischen zwei sich gegenseitig anspornenden Freunden. Misch beginnt das Album fragend, mit einem schief vor sich hin oszillierender Synthesizer. Dayes antwortet mit einem triumphalen Breakbeat. Misch entgegnet mit einem gesampleten Streichquartett. Es entfaltet sich ein sich gegenseitig anfeuerndes, befruchtendes Hin und Her, dem man stundenlang zuhören könnte.

Anderswo klingen Mischs warme Instrumentals und Dayes rollende Snare-Akrobatik wie aus einem Guss. Gemeinsam können sie Genres erkunden, sich aus ihren Komfortzonen herausbewegen, wie im fast schon hart-rockenden „Lift Off“, oder im immer wieder in Abstraktion abdriftenden Avant-Funk von „Kyiv“. Oder einfach ihre Chemie genießen und Soul und Jazz spielen, wie im fast schon schmerzhaft schönen „Tidal Wave“. So tief ist ihre Einheit. Mischs und Dayes‘ Eltern, die die beiden damals sicherlich zur Talentshow begleiteten, sind mittlerweile beste Freund*innen. Alles ist verbunden.

Veröffentlichung: 24. April 2020
Label: Beyond The Groove / Blue Note

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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