Working Men’s Club – „Working Men’s Club“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Working Men's Club“ von Working Men's Club, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Working Men’s Club – „Working Men’s Club“ (Heavenly Recordings)

Wenn es nach Syd Minsky-Sargeant geht, hat man als Musiker*in heutzutage zwei Optionen: „Du kannst Dich entweder verstecken, Dich zusammenrollen und Musik als Ablenkung machen, oder die Menschen konfrontieren und ihnen ins Gesicht schreien“, so der britische Sänger und Songwriter. Seine Band Working Men’s Club probiere, beides gleichzeitig zu machen. Attacke aus der Embryostellung.

Der 18-Jährige hat einen Punkt. Im vergangenen Jahr erschienen Working Men’s Club mit ihrer Debüt-Single „Bad Blood“, einem kantigen Stück Jangle-Pop, auf der Bildfläche. Kurz vor dem Durchbruch verließ der Großteil der Gründungsmitglieder die Band. Minsky-Sargeant musste kurz vor einem potentiell lebensverändernden Konzert in London eine neue Gruppe Musiker*innen um sich scharen. Als er diese fand, war auch sein Sound verändert. Das nun erscheinende selbstbetitelte Debütalbum seiner Band ist in konstanter Bewegung, nach vorne preschend und sich wieder zurückziehend, irgendwo zwischen New Wave, Post-Punk, Krautrock und Madchester-Rave.

Attacke aus der Embryostellung

Oberflächlich betrachtet spielen die vier Musiker*innen angriffslustigen Synth-Punk, angetrieben von stampfenden Techno-Beats und zappeligen Riffs, bei denen man nie ganz weiß, ob sie aus dem Synthesizer oder der Stromgitarre stammen. Wie bei den 80er-Jahre-Wave-Ikonen, an denen sie sich zu orientieren scheinen (Depeche Mode, New Order, Orchestral Manoeuvres In The Dark), gibt es auch immer Momente, in denen die Opulenz kollabiert und Raum für Melancholie macht. Aggressives Dancefloor-Geballer („A.A.A.A.“) geht Hand in Hand mit introvertiertem Post-Punk („Tomorrow“).

Im Ganzen betrachtet ist „Working Men’s Club“ aber mehr Attacke als Rückzug. Minsky-Sargeant und seine Mitstreiter*innen fühlen sich im Angriffsmodus wohler als in der Verteidigung. Der ultrastoische Synthesizer in „Teeth“ lässt dem Publikum keine andere Option als zu tanzen, genau wie die verzerrten Disco-Vibes des Openers „Valleys“. Doch wie jeder gute Boxer weiß auch Minsky-Sargeant um den Wert der Verletzlichkeit. Das macht ihre Musik so verdammt effektiv.

Veröffentlichung: 2. Oktober 2020
Label: Heavenly Recordings

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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