27.01.: Vom Erinnern und Vergessen

Heute ist der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. „Ein Ritual, das ebenso wohlfeil wie folgenlos ist“, findet Henryk M. Broder in der Welt. „Wichtiger als Gedenken ist die Verhinderung des nächsten Holocausts“, doch diese Verhinderung würde Geld kosten „- etwa vier Milliarden Euro. Das ist der Wert der deutschen Exporte in den Iran im Jahre 2010. Wer die Auftritte des iranischen Präsidenten verfolgt, kann nicht daran zweifeln, was er meint, wenn er Israel ein ‚Krebsgeschwür‘ nennt, das beseitigt werden müsse. […] Derweil machen deutsche Firmen Geschäfte mit dem Iran, geben deutsche Künstler Gastspiele in Teheran, setzen deutsche Politiker auf Wandel durch Annäherung. Wenn das Erinnerungsarbeit ist, dann wäre es besser, die Geschichte zu vergessen.“
Auch die Jüdische Allgemeine hinterfragt, wie sinnvoll der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ ist und übt sowohl Kritik am Datum des Gedenktags als auch „an einem immer hohler werdenden Ritualismus, der echte Trauer nicht kenne, sich dafür aber als Alibi für unterlassene Maßnahmen gegen aktuellen Antisemitismus und Hass auf den Staat Israel bestens brauchen lasse.“

Michael Wuliger ist in diesem Artikel allerdings sehr optimistisch, was die deutsch-jüdischen Beziehungen angeht. Die seien nämlich „erst dann normal, wenn peinliche jüdische Figuren in der Öffentlichkeit auftreten können, ohne dass um ihr Judentum viel Aufhebens gemacht wird.“ Und das sei momentan bei Indira Weis‘ Auftritt im RTL-Dschungelcamp der Fall.

Nachdem es gestern bereits erste Nachrufe zum Tod Bernd Eichingers gab, dominieren sie heute die deutschen Zeitungen. Die Welt setzt den Tod Eichingers mit dem Rainer Werner Fassbinders im Jahr 1982 gleich. „Es geht um Größeres, um Unersetzlichkeit und Zeitenwenden, und um den plötzlichen Schock des Verlusts, das alle am Morgen danach empfinden, egal ob sie vorher zur Gefolgschaft des Toten gehörten oder den Ungläubigen.“
Die FR betrauert den Tod der „Triebkraft einer Industrie“. „Bernd Eichinger war das pochende Herz der deutschen Filmindustrie, und dass es nun aufgehört hat zu schlagen – völlig unerwartet bei einem Abendessen am Montag in Los Angeles – ist ein Schock für seine Freunde genauso wie für seine ebenso zahlreichen Kritiker.“ Und auch die NZZ würdigt den „einzigen deutschen Filmemacher ‚von Weltformat'“.

Fast vergessen hatten manche schon Jeff Mangum. Der Kopf der legendären Band Neutral Milk Hotel war jahrelang vollkommen untergetaucht war, wurde in letzter Zeit aber immer wieder auf kleinen Bühnen gesichtet. Laut Pitchfork plant Mangum jetzt sogar eine Tour durch Amerika und Europa.

Im Gegensatz zu Jeff Mangum recht präsent ist Beyoncé Knowles. Und die ist gerade womöglich dabei, ihrem nächsten Album eine vollkommen neue Richtung zu geben. Der Guardian berichtet, dass Produzent Diplo berichtet, dass Beyoncé für ihr nächstes Album mit dem Duo Sleigh Bells zusammenarbeit. Viel Hörensagen, aber nicht ganz unwahrscheinlich, gab es doch schon auf dem letzten Album von M.I.A. eine Kollaboration mit Diplo und Sleigh Bells. Beyoncé mit übersteuerten Gitarren und Elektro-Riffs? Wir sind gespannt.

Unterstützung von ganz anderen Kalibern als Sleigh Bells bekam Marianne Faithfull für ihr neues Album. Lou Reed und Damon Albarn halfen ihr bei den Aufnahmen zu „Horses And High Heels“, erzählte die 64-jährige der taz im Interview. Außerdem erzählt sie über ihre Faszination von Ulrike Meinhof, den Stempel des ewigen Rolling-Stones-Chicks und Nahtoderfahrungen.

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