Neue Platten: Andreas Dorau – „Todesmelodien“

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Wer? Wer kennt ihn nicht, diesen Hit aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle? Die Rede ist von „Fred Vom Jupiter“. Geschrieben wurde das Lied von Andreas Dorau im Rahmen einer Schul-AG. Andreas Doraus Musik bleibt uns bis heute erhalten: Seit den 80er Jahren veröffentlicht er in unregelmäßigen Abständen immer wieder Musik unter seinem eigenen Namen. Mittlerweile ist er beim Label Staatsakt gelandet, das sich durch eine exquisite und geschmackssichere Musikauswahl auszeichnet – Ja, Panik veröffentlichten ihr neues Album auf dem Label, aber auch weitere tolle Musiker wie Hans Unstern und Christiane Rösinger sind auf Staatsakt vertreten. Andreas Doraus neues Werk trägt den düsteren Titel „Todesmelodien“.

Was? Tatsächlich beschäftigt sich Dorau auf „Todesmelodien“ mit dem menschlichen Ableben – aber nicht mit einer mit dem Thema zwangsweise verbundenen Schwermütigkeit, sondern auf die typisch unbeschwerte Dorau-Art. In „Edelstein“ singt Dorau von der Möglichkeit, den Körper, nachdem die Seele ihn verlassen hat, zu einem Edelstein pressen zu lassen, in „Es War Hell“ wird von einem Verkehrsunfall erzählt, bei dem eine Familie starb. Diese traurigen Botschaften sind paradoxerweise in locker-flockige Pop-Hüllen gepackt, die relativ schnell Schlager-Assoziationen im Kopf des Hörers wecken. Die Tatsache, dass die Arrangements größtenteils von Mense Reents (Egoexpress, Die Goldenen Zitronen) und Jakobus Siebels, zusammen Die Vögel, stammen und Andi Thoma von Mouse On Mars für den Produktionsschliff sorgte, ließe erwarten, dass der Schritt in Richtung Schlager niemals zu weit geht.

Warum? Doch leider geht das Gefühl, dass dieser Schritt vielleicht doch etwas zu weit geht, so schnell nicht weg – vordergründig betrachtet. Stellenweise erscheint die Musik richtig nervtötend und albern. Sicherlich liegt das auch an Doraus etwas eigenwilliger, kindlicher Stimme. Tiefgründiger betrachtet stellt sich aber nach einiger Zeit doch ein anderer Eindruck ein. Denn warum erscheint das Album eigentlich auf dem Qualitäts-Label Staatsakt? Die Entscheidung für eine Band trifft ein Label ja nicht beiläufig. Der Grund werden nicht zuletzt die Texte sein. Andreas Doraus Texte sind in Wahrheit reichhaltiger, als zunächst klar wird. In „Single“ bringt er die Single-Schallplatte und den Beziehungs-Single gekonnt zusammen, als wäre das das Naheliegendste, das es gibt. Dorau spricht banale Dinge aus, wie sie eben sind, ohne sie zu verschlüsseln. Wer könnte die Dinge eigentlich treffender formulieren? Jedenfalls niemand auf die gleiche Art, wie Andreas Dorau es tut – auf seine ganz eigene, kindliche, unnachahmbare Art. Das ist dann doch ein markantes Alleinstellungsmerkmal.

Label: Staatsakt | Kaufen

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