Neue Platten: Fabrizio Cammarata & The Second Grace – “Rooms”

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4,1

Fabrizio Cammarata fühlt sich inspiriert von Bob Dylan und Nick Drake, wie der Titel seines ersten Albums und aktuellem Alias-Begleitkollektiv „The Second Grace“ sagt: Es ist der Titel eines posthum erschienenen Nick-Drake-Albums mit bis dahin unveröffentlichten und alternativen Versionen alter Drake-Songs. Fabrizio Cammarata kommt aus Palermo, feierte wohl in Italien bereits einige Erfolge und durfte anerkannte Größen wie Devendra Banhart oder Iron & Wine im Vorprogramm unterstützen.

Sein zweites Album heißt „Rooms“ und gibt dem Italiener Raum für zehn Songs im poppigen Singer-Songwriter-Stil. Was bedeutet das? Die Musik soll kantig und nach britischen oder US-amerikanischen Singer-Songwriter-Traditionen klingen, ist aber soft und ein bisschen boybandig. Inspiriert also von Drake und Dylon, wird über diese gewollte Folkgrundlage zu viel Pop gelegt, um davon noch viel im Endprodukt zu spüren. Weitere Einflüsse sollen auch aus dem nordafrikanischen oder arabischen Raum kommen, dem Cammarata in seiner sizilianischen Heimat ja auch räumlich nah ist. Instrumente wie Tres (kubanisches Saiteninstrument) oder Tabla (indische Trommel) kann man erhören und sollen den musikalischen Hintergrund origineller gestalten. Am Anfang des Stücks „Alone And Alive” ist eine Sitar zu hören. Bei diesem Song handelt es sich um die erste Single-Auskopplung des Albums, welche vielleicht sogar das Zeug zu einem Mainstream-Ohrwurm hat. Stimmlich und inhaltlich leidet in diesem Lied der Mann ganz schön, doch das schadet dem Stück nicht. Die rauen Aspekte von Cammaratas Stimme machen dabei auch schon ein bisschen Spaß. Allerdings besticht auch dieser Song trotzdem nicht durch Komplexität und die erhoffte Folk- oder New-Folk-Sensibilität. Die Stärken dieses Albums liegen in den stilleren, stimmlich fast verzerrten Abschnitten, wie zum Beispiel im zurückhaltenden letzten Stück „Highlake Bay“ oder in „Down Down“, das ein bisschen nach Paolo Nutini klingt.

Vielleicht kommt am Ende auch nur wieder das alte Italienerklischee in der Rezensentin durch. Nein, es klingt eben nicht wie amerikanischer New Folk – was auch immer Musikschubladen sind -, sondern nach mittelmeergeprägtem Sonnenscheingesang im Innenhof eines zypressengesäumten Palazzos und einer instrumentalen Mischung, die zwar bestimmt technisch gut, aber leider zu viel, zu poppig und sehr langweilig ist.

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