Zum 20. Todestag von Mia Zapata

Mia Zapata (Foto: The Gits)Mia Zapata © The Gits

Mit freundlicher Unterstützung von NAD.

Ende der 80er Jahre hatten Frauen einen weitaus schwierigeren Stand in alternativen Musikszenen, als das heute der Fall ist. Zu dieser Zeit gründete die 21-jährige Mia Zapata mit College-Freunden die Band The Gits. Schon in ihrer Kindheit in Kentucky hatte Mia das Gitarre- und Klavierspielen gelernt. Außerdem sang sie gerne. Ihre Vorbilder kamen aus dem Jazz, Blues und R&B. Entsprechend rau, kraftvoll und reich an Emotionen klang ihre Stimme.

Mit dieser wurde sie als Frontfrau der Gits bekannt. Nach dem College zog die vierköpfige Band gemeinsam in ein Haus in Seattle, dass ihnen und anderen Musikgruppen auch als Proberaum und Konzertlocation diente. Ihre schroffer und energischer Sound passte gut zu der Stadt. Einen ihrer ersten Gigs spielte die Band mit Nirvana. Sie bekamen viel Zuspruch und waren bald aus der lokalen Musikszene nicht mehr wegzudenken. 1992 erschien ihr erstes Album „Frenching The Bully“. Zuvor hatten The Gits bereits eine Reihe von Singles, ein Live-Album und eine Compilation früher Demos veröffentlicht.

Diese brachten der Band um Mia Zapata viel Aufmerksamkeit ein – sogar in Europa, wo sie 1991 mehrere Konzerte spielten. Daraufhin waren sie viel in den USA unterwegs, unter anderem traten sie zusammen mit Superchunk, Ween, NOFX und Beck auf. Vom vielen Touren wollten sich The Gits im Juli 1993 erholen, sie machten eine kurze Pause in Seattle. Geplant war, noch einen Tag im Studio zu verbringen, um ihr kommendes Album fertigzustellen, und dann für ein halbes Jahr mit L7 auf Tour zu gehen. Doch dazu sollte es nie kommen. In den frühen Stunden des 7. Julis wurde Mia Zapata im Alter von 27 ermordet.

Am Abend zuvor feierte sie gemeinsam mit Freundinnen und Freunden in der Bar „The Comet Tavern“. Auf ihrem Heimweg schaute sie noch kurz bei einer Freundin vorbei. Danach wurde Mia von niemanden mehr lebend gesehen. Ein Unbekannter fiel sie an, verprügelte und vergewaltigte sie. Er erwürgte die junge Musikerin und flüchtete. Der Mord von Mia Zapata erschütterte nicht nur ihre Familie und Freunde. Da der Mörder viele Jahre unbekannt blieb, machten sich Unsicherheit und Misstrauen in der Musikszene von Seattle breit.

Um etwas dagegen zu tun fanden sich Mias Bandkollegen und viele andere Musikerinnen und Musiker zusammen, um an die Sängerin zu erinnern. Es fanden Benefizkonzerte statt, mit deren Erlösen ein Privatdetektiv engagiert wurde. Joan Jett trat einige Male mit dem Rest der Gits unter dem Namen Evil Stig („Gits Live“ rückwärts) auf. Sie hat die Stimme und das Talent von Mia Zapata mit Janis Joplin verglichen.
1993 gründete eine Gruppe befreundeter Musikerinnen die gemeinnützige Organisation „Home Alive“, die sich gegen Gewaltverbrechen einsetzte und Selbstverteidigungskurse anbot.

Zehn Jahre nach dem Mord an Mia Zapata passierte etwas, was niemand mehr für möglich gehalten hatte. Der Mörder der Musikerin wurde ausfindig gemacht. Im Jahr 2003 waren DNA-Tests weit genug entwickelt, um Spuren vom Tatort mit einer bundesweiten Datenbank abzugleichen. Ein Fischer aus Florida, der 1993 in Seattle gelebt hatte und schon mehrfach wegen Körperverletzung und anderen Delikten auffällig geworden war, wurde daraufhin verurteilt und sitzt nun 36 Jahre Haft ab.

Auch wenn sich The Gits nach dem Tod von Mia Zapata aufgelöst haben – die Musikerin und ihre prägnante Stimme wird nie aus dem Gedächtnis der Punk- und Hardcoreszene verschwinden. Mehrere Bands haben ihr Alben und Lieder gewidmet. Die Single „Go Home“ von Joan Jett und Kathleen Hanna (von Le Tigre und Bikini Kill) gehört dazu. Das Album „Enter: The Conquering Chicken“, an dem The Gits vor Mias Tod gearbeitet hatten, erschien 1994. Elf Jahre später wurde „The Gits Movie“ veröffentlicht. Der Film widmet sich dem Leben von Mia Zapata und der Geschichte ihrer Band.

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Diskussionen

3 Kommentare
  1. posted by
    Mädchenmannschaft » Blog Archive » Heroische Frauen, mieser Journalismus – kurz verlinkt
    Jul 10, 2013 Reply

    […] Vor 20 Jahren wurde die feministische Musikikone Mia Zapata ermordet; ByteFM erinnert. […]

  2. posted by
    Cathrin
    Mai 19, 2021 Reply

    Ich finde es unsagbar traurig, dass es diese sympathische Frau & die Band nicht mehr gibt. Kannte sie bis vor kurzem nicht und bin total hin und weg von der Music, der Stimme.

    Was für eine coole Szene bzw. Leute, die nicht aufgehört haben für die Aufklärung des Mordes zu kämpfen.

    The Gits sind meine absolute Empfehlung!

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