A Place To Bury Strangers – "Worship"

A Place To Bury Strangers - WorshipVÖ: 15.06.2012
Web: A Place To Bury Strangers bei Tumblr
Label: Dead Oceans

A Place To Bury Strangers. Der Name der New Yorker Band lässt Böses vermuten. Dennoch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen und dem seit 2003 bestehenden Trio, das gerne als „lauteste Band New Yorks“ bezeichnet wird, eine Chance geben – auch dann, wenn man sich musikalisch ansonsten eher gemäßigteren Genres zugehörig fühlt.

Denn A Place To Bury Strangers sind durchaus eine Band für die Massen, denen es gelingt, eine atmosphärische Shoegaze-Wall-Of-Sound mit harten Gitarren-Riffs und Noise-Rock zu kombinieren, eine musikalische Verbindung, die vor allem dank des gelungenen Songwritings und der eingängigen Melodien einen gewissen Pop-Faktor nicht entbehrt. Was allerdings nicht bedeuten soll, dass die Musik von A Place To Bury Strangers einfach wäre, oder vorhersehbar. Im Gegenteil sind die Songs und Sounds auf „Worship“, dem dritten Album der Band, extrem abwechslungsreich und häufig überraschend. Ganz eindeutig stehen A Place To Bury Strangers in der Tradition des Shoegaze, schaffen es aber, sich aus allen Strömungen dieses ja äußerst breit gefächerten Genres das Beste und Interessanteste herauszupicken und für ihr eigenes Schaffen zu verwenden und umzuwandeln.

So finden sich auf „Worships“ Songs, die sich eher an der verträumt-sphärischen Linie des Dream Pops (man denke dabei vielleicht weniger an Beach House als an die Cocteau Twins) orientieren und damit in einem abwechslungsreichen Kontrast zu den härteren Noise-Rock-Stücken stehen. Songs wie „Slide“ und teilweise auch „And I’m Up“ überzeugen durch ihre sehr dichten und melodischen Klang-Wände, leben aber vor allem auch von den poppigeren und zugänglicheren Anklängen. Ebenso die erste Singleauskopplung „You Are The One“, die durch den ungewohnt eingängigen Gesang in Kombination mit Song- und Soundstruktur durchaus auch in die Sparte Britpop passen könnte, durch die Verbindung mit harten Gitarren-Riffs und Drums ebenso aus dem gewohnten Schema ausbricht wie durch die Verwendung von verzerrten Synthesizern und Hall.

In Stücken wie „Dissolved“, „Worship“ oder „Leaving Tomorrow“ wird überdeutlich, dass die Nähe zu Joy Division weit über die betont gelangweilte Stimme von Sänger Oliver Ackermann und den an Curtis erinnernden Gesang hinausgeht – das Manische, Treibende, die Verwendung der Synthesizer und Wave-Einflüsse lassen häufig an die Über-Band denken. „Revenge“ und der Opener „Alone“ (der beste Beweis dafür, dass A Place To Bury Strangers nichts von einem langsamen Einstieg halten) leben beinahe ausschließlich von den Gitarren, die die Band explodieren und dröhnen lässt und die die – zu Recht- häufig herbeibeschworene Wall Of Sound zu einem unüberwindlichen himmelhohen Gebilde anwachsen lassen.

Dennoch bewahren die Musiker trotz aller Anleihen und Inspirationsquellen (in deren Reihe auch Depeche Mode keinesfalls unerwähnt bleiben sollen und dürfen) das gesamte Album hindurch immer ihren eigenen Stil und Sound. Hier wird nicht kopiert, sondern neu arrangiert und inszeniert. Dies mag wohl vor allem an der außergewöhnlichen Benutzung von (an sich ja so gar nicht ungewöhnlichen) Hall- und Verzerrungselementen liegen – wird der Name des Shoegazing doch nicht umsonst häufig durch das ständige Starren der Musiker auf die am Boden befindlichen Effektgeräte erklärt. Und nicht umsonst ist Frontmann und Mastermind der Band Oliver Ackermann seines Zeichens Erfinder und Hersteller weltweit bekannter und beliebter Effektpedale. Dieses technische Können kommt A Place To Bury Strangers und ihrer Musik mehr als zugute, klingen diese doch tatsächlich so, als wäre da ein Sound-Magier am Werk.

Und so ist „Worship“ eine Mischung aus vielem, was ohnehin schon gut ist und durch die Verzerrungen, den Hall und die vielen anderen kleinen Effekte der Band noch gewinnt – und so zu einem düsteren und vielschichtigen Klang-Mosaik heranwächst, das zu überzeugen weiß.

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Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „A Place To Bury Strangers“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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