Album der Woche: Father John Misty – „I Love You, Honeybear“

Father John Misty - I Love You, HoneybearVÖ: 6. Februar 2015
Web: fatherjohnmisty.com
Label: Bella Union
Kaufen: artistxite-Shop

Josh Tillman hat tatsächlich eine Lösung für die schwächelnde Musikwirtschaft gefunden: „SAP“ nennt sich sein neu gegründeter Musikstreaming-Dienst, bei dem die Musikstücke grundsätzlich auf ihre formalen Attribute reduziert werden. „Störende“ Elemente wie Gesang, Atmosphäre und Authentizität fallen dabei weg. Diese Versionen klingen laut dem offiziellen Internetauftritt sogar auf Laptop- und Handylautsprechern hervorragend. Das Resultat: keine Kosten für Künstler oder Fans.

Dieser beschriebene, satirische Leckerbissen ist mehr als köstlich. In nur wenigen Sätzen kritisiert Tillman auf humorvolle Art den oberflächlichen, kurzlebigen Musikkonsum, sowie die widerwillige Bereitschaft vieler Menschen, für Musik einen angemessenen Preis zu zahlen. Auf seinem Album „I Love You, Honeybear“ stellt sich der amerikanische Künstler weiteren, gesellschaftkritischen Themen, aber auch menschlichen Urinstinkten wie Angst und Liebe. Ein mehr oder weniger autobiografisches Konzeptalbum, das Tillman da scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelt.

Seit über einem Jahrzehnt veröffentlicht der Musiker Platten, lange Zeit unter dem Künstlernamen J. Tillman. Nebenher begleitet er ab 2008 die Indie-Folkband Fleet Foxes am Schlagzeug. Anfang 2012 gibt er seinen Austritt bekannt. Auch für seine Solokarriere bedeutet dieser Moment einen beachtlichen Einschnitt: Tillman möchte einen neuen Start wagen, ohne stets mit seinen früheren Veröffentlichungen konfrontiert zu werden. Father John Misty wird als neues Pseudonym auserkoren, wenig später folgt dann das Debütalbum „Fear Fun“.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger von 2012 ist das jetzt erscheinende „I Love You, Honeybear“ opulenter und vor allem stimmgewaltiger. Der Künstler findet dafür eindeutige Worte: „It has a decidedly more soulful presence than ‚Fear Fun‘, due in no small part to the fact that I am truly singing my ass off all over this motherfucker.“ Er hat nicht zu viel versprochen: Schon die erste Single ist eine tragikomische Klavierballade, die zweifellos auf den bekannten Klassiker von Bruce Springsteen anspielt. Der Titel: „Bored In The USA“.

Abwechslungsreich und von umwerfender Intensität präsentieren sich die elf Songs, die mit bitterzarten Streichern, dramatischen Pausen und leidenschaftlichen Gesangsperformances in einem grandiosen Finale kulminieren. Eine Mariachi-Einlage in „Chateau Lobby #4 (In C For Two Virgins)“ und elektronisches Surren in 2True Affection“ gibt es obendrein.

Tillmans vordenkerische Idee in allen Ehren: Wir empfehlen, nicht (nur) auf die kostenfreie SAP-Version zurückzugreifen, sondern „I Love You, Honeybear“ in all seiner Pracht und mit all seinen ursprünglichen Spuren zu kaufen und in ganz „altmodischer“ Weise mit guten Kopfhörern zu genießen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Father John Misty“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    waehlbaer
    Feb 3, 2015 Reply

    SAP – Musikstreaming auf basic- Niveau. Was habe ich gelacht, als die ersten Töne aus dem Kopfhörer kamen …

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