Locas In Love – „Kalender“ (Album der Woche / Rezension)

Cover des Albums Kalender von Locas in LoveVeröffentlichung: 20. November 2015
Web: locasinlove.com
Label: Staatsakt
Kaufen: artistxite-Shop

Locas In Love sind aufs Bandbestehen gemünzt im Teenageralter angekommen – 14 Jahre gibt es die Kölner Gruppe schon. Ihre Lieder sind voll von Poesie, die sich auch fernab der Adoleszenz in Kopf und Körper auf das Angenehmste breitmacht. Rührend, aber nicht rührselig. Voller Gefühl, aber nicht duselig. „Sticking It To The Man Since 2001. Trust No One, Love Everyone. Manifeste, Freundschaft & Zerstörung“ – so steht es auf ihrer Website geschrieben.

Locas In Love machen Gitarrenpop, sie mögen große Melodien, gesprochene Texte und clevere Konzepte und verbinden das alles mühelos miteinander. 2012 bestimmte die Verweigerung in Form des Wortes „Nein!“ die gleichnamige Platte. In diesem Februar gab es zum Doppelalbum „Use Your Illusion 3 & 4“ eine Action-Figur, den Dinobot 3000. Und jetzt haben sich Locas In Love den gregorianischen Kalender vorgenommen – natürlich darf da im Merch ein selbstgestalteter Wandkalender nicht fehlen. Das hat nichts mit Gewinnmaximierung zu tun, sondern mit der Ablehnung der Starrheit, die dem üblichen Albumformat innewohnt.

Mit Märkten hat die Band nichts am Hut. Das kommt immer wieder durch zwischen den eingängigen Stücken, den minimal schmalzigen Liebesliedern, den zartbitter besungenen Wirklichkeiten. Zum Beispiel die paar Worte „Es gibt kein richtiges Leben im Bürgerlichen“ in „Oh!“, das zwischen Resignation und Agitation auf knarzigen Synthies dahindriftet. Dieses Driften, Schweifen wohnt vielen Tracks inne, instrumentalen Songs wie dem schleichenden „We Are Cyborg!“ und dem tanzfreudigen „Abstract Machine“, auch hymnenhaften Tracks wie dem bezirzenden „Ruinen“ und dem aufrüttelnden „Ich Werde Ein Lied Für Alle Schreiben“. Zwei Stücke, die sich auf die Seele legen.

Locas In Love sind seit Jahren Experten für etwas, wovor sich viele Bands hüten, weil die Dosierung schnell schiefgehen kann: Pathos. „Und wie jeder kennst du das Gefühl, alles gegeben zu haben und es war nicht genug. Vielleicht war es nicht alles, vielleicht nicht mal viel. Und wer legt es fest, dieses Genug?“, heißt es in „Ruinen“. Sie finden einfache Worte für Scheitern, für Wut und Trauer und spannen sie in charmante Bögen über ausgeklügelte Harmonien. Das ist die schönste, es ist die einzige Art von Schlager, die man sich vorstellen und die man mehr als ertragen kann.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Locas In Love“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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