Neue Platten: Mount Kimbie – "Cold Spring Fault Less Youth"

Mount Kimbie - Cold Spring Fault Less Youth (Warp)Mount Kimbie – „Cold Spring Fault Less Youth“ (Warp)

9,0

Mount Kimbie – so könnte gut und gern eine farbenfrohe Welt mit nur bedingt fiesen Gegnern in Super Mario heißen. Die Musik von Dom Maker und Kai Campos weist zwar wenige Parallelen zu den Midi-Klängen des Spieles auf, hat aber einen ähnlich hohen Sympathiefaktor wie der italienische Klempner. Dennoch rührt der Name ihrer Band woandersher. Zu diesem wurden die beiden Briten durch ein Lied von Nick Drake („Kimbie“) und ein Album der Microphones („Mount Eerie“) inspiriert. Von Musikern also, die mit klassischem beziehungsweise Lo-Fi-Folk verbunden werden.

Diese Einflüsse finden sich strukturell auch in den Songs von Mount Kimbie wieder. Die Band wurde das ein oder andere Mal, wie auch ihr guter Freund James Blake, mit dem Label Post-Dubstep besehen. Der Begriff ist nicht genau definiert. Man könnte sagen, dass Post-Dubstep Elemente vom namengebenden Genre aufnimmt, beispielsweise Broken Beats und rhythmisch zerfaserte Bässe, aber dabei nicht nach Dance Music klingt.

Die Songs auf „Cold Spring Fault Less Youth“ passen gut in dieses Schema. Auf einer Tanzfläche kann man sie sich schwer vorstellen, dafür umso besser als Untermalung in ruhigen Räumen, seien sie privat oder öffentlich. Das Album besitzt viele helle Klänge, wenig Abgründiges. Hier und da klingt eine Spur mal nach Field Recordings aus einer leeren Fabrik („Sullen Ground“), doch dann tönt im nächsten Moment eine offene Synthie-Melodie auf, die die Aufmerksamkeit an sich reißt („Slow“). Warmes Gepluckere hört man auf vielen der Tracks, besonders angenehm klingt das bei „Home Recording“, dem ersten Stück, oder bei „So Many Times, So Many Ways“, auf dessen Bass-Spur Indie-Rock-Bands von London bis Los Angeles neidisch sein werden.

Das hat schon Pop-Qualitäten, mehr als Mount Kimbies Debüt „Crooks & Lovers“. Zwar sind die Strukturen der Stücke auf „Cold Spring Fault Less Youth“ komplex, doch sie wirken nie zerfasert. Es gibt irritierende Momente („Lie Near“), aber keine großflächige Verwirrung. Und: Stimmen nehmen eine bestimmende Rolle auf dem Album ein. Sogar die lakonischen Rap-Parts von Jungspund King Krule, die er für „You Took Your Time“ und „Meter, Pale, Tone“ aufgenommen hat, gehen teilweise in Gesang über. Die zwei Songs stechen dank dem Gastbeitrag besonders hervor und geben dem Album ein paar Ecken mehr.

Mount Kimbie meinen in Interviews zwar, dass sie keinen bestimmten Sound im Sinn haben, wenn sie gemeinsam an Tracks basteln, doch es ist schwer zu leugnen, dass ihr zweites Album ganz wunderbar an die Machart von „Crooks & Lovers“ anknüpft. Auf „Cold Spring Fault Less Youth“ verbinden Dom Maker und Kai Campos elektronische Musik äußerst geschickt mit Popstrukturen und schaffen damit vielschichtige, aber eingängige Songs mit hoher Halbwertszeit.

Label: Warp | Kaufen

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