Pete Seeger wäre 100 geworden: Der Folk-Musiker in vier Songs

Foto von Pete Seeger

Pete Seeger

In der US-amerikanischen Folk-Musik gibt es möglicherweise keinen Künstler, der so viel geleistet hat wie Pete Seeger. Vielleicht Woody Guthrie. Vielleicht Bob Dylan. Aber keiner von seinen Kollegen blieb so lange aktiv und vital ein Gesicht der Gegenkultur wie Seeger. Sein letztes Konzert spielte der Singer-Songwriter im Alter von 94 Jahren, begleitet von Neil Young, Willie Nelson, Dave Matthews und John Mellencamp. Vier Monate später starb er.

Peter „Pete“ Seeger wurde am 3. Mai 1919 in New York geboren. Die Musik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war ein Pionier der Musik-Ethonologie, seine Mutter eine Konzert-Violinistin. Als Kind lernte er Ukulele, später folgten Gitarre und Banjo. Mit 19 brach er sein Harvard-Studium ab – und startete seine über sieben Jahrzehnte umspannende Musiker-Karriere. Er wurde gefeiert. Er wurde zensiert. Er wurde bejubelt. Er wurde eingesperrt. Und machte immer weiter.

Am 3. Mai 2019 wäre Pete Seeger 100 Jahre alt geworden. Wir haben seine Karriere in vier Songs porträtiert.

„Billy Boy“

1941 gründete Seeger gemeinsam mit anderen Künstlern wie Woody Guthrie oder Cisco Houston die New Yorker Folk-Gruppe Almanac Singers. Das ständig seine Mitglieder wechselnde Kollektiv war von Anfang an hochpolitisch, noch im Gründungsjahr veröffentlichte es das Album „Songs For John Doe“, ein pazifistisches Statement gegen den US-amerikanischen Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. „No I haven‘t got the skills / To murder and to kill“, singt der Titelheld in „Billy Boy“. Die US-amerikanische Regierung nahm das als Aufruf zur Kriegsverweigerung – und ließ das Album nach dem Angriff auf Pearl Harbor aus dem Verkauf nehmen.

„Goodnight Irene“

1950 ging aus Almanac Singers eine neue Gruppe hervor: The Weavers, ein von Seeger angeführtes Folk-Quartett. Ihre Musik war deutlich weniger konfrontativ als noch zuvor – und brachte ihnen erste kommerzielle Erfolge ein. Ihre Version des Lead-Belly-Walzers „Goodnight Irene“ blockierte für 13 Wochen die Spitze der Charts. 1953 fand ihr Höhenflug jedoch ein jähes Ende: Wegen ihrer kommunistischen Vergangenheit landeten The Weavers 1953 auf der schwarzen Liste. Ihre Konzerte wurden verboten, aus dem Radio wurden sie verbannt. Zwei Jahre später durften sie zwar wieder eine Reunion-Tour spielen – doch Seeger verließ die Gruppe kurz danach, da seine Bandmitglieder einwilligten, einen Jingle für eine Zigaretten-Werbung einzuspielen.

„We Shall Overcome“

Nach dem Ende von The Weavers wandelte Pete Seeger endgültig auf Solo-Pfaden. Er wurde zu einer zentralen Figur des großen Folk-Revivals, das Anfang der 60er-Jahre in New York statt fand. Er war dort einer der ersten, der das Potential Bob Dylans erkannte. Folk-Musik wurde zum Sprachrohr einer Generation – mit Seeger an vorderster Front. 1963 war er Teil des legendären, von Dr. Martin Luther King initiierten Protest-Marsches von Selma nach Montgomery und sang vor den über 1.000 TeilnehmerInnen die Gospel-Hymne „We Shall Overcome“ – die zum pazifistischen Schlachtruf der Civil-Rights-Bewegung wurde.

„Waist Deep In The Big Muddy“

Obwohl ihm schon in den 50er-Jahren aufgrund seiner anti-amerikanischen Protest-Musik eine zehnjährige Gefängnisstrafe angedroht wurde, ließ sich Seeger auch in den 60er-Jahren nicht den Mund verbieten. 1967 hatte er einen Auftritt in der sehr unpolitischen Comedy-Show „Smothers Brothers Comedy Hour“ – und nutzte ihn, um das satirische Antikriegslied „Waist Deep In The Big Muddy“ zu spielen. Die Chance, vor einem Millionenpublikum die Zeile „We are waist deep in the Big Muddy / And the big fool says to push on“ zu singen, konnte er sich nicht entgehen lassen. Es war einer der ersten Protestsongs, die jemals im US-amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Wie immer war Seeger ganz vorne mit dabei.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Pete Seeger hat sich auch ByteFM Moderator Volker Rebell am 2. Mai 2019 in seiner Sendung Kramladen mit dem Werk des Musikers befasst. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Sendung im Archiv nachhören.

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