Reggae ist nun Weltkulturerbe

Jimmy Cliff

Jimmy Cliff, der mit Songs wie „The Harder They Come“ und „You Can Get It If You Really Want“ bekannt wurde (Foto: By Thesupermat, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

„Sunshine Reggae“ – so heißt ein Song des dänischen Duos Laid Back. Mit Reggae hat es bis auf den Offbeat wenig zu tun. Doch es spiegelt wieder, was in Europa oft das Bild der populärsten jamaikanischen Musikrichtung ist: Eine fröhliche Sonnenscheinmusik, die sich eignet, um am Strand oder im Park abzuhängen und Drogen zu konsumieren.

Dass Reggae aber weitaus mehr ist, weiß nun auch die UNESCO. Seit 2003 listet die UNESCO kulturelle Ausdrucksformen, die „von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden“ als Weltkulturerbe. Seit Ende der Woche steht auch Reggae auf dieser Liste. Die Begründung der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur bezieht sich darauf, dass in dieser Musikrichtung, die es seit den späten 1960er-Jahre in der heutigen Form gibt, oft auch ernste Themen angesprochen werden: Die Lage auf der bereits im 16. Jahrhundert kolonialisierten Insel, die 1962 die Unabhängigkeit erlangte, Bandenkriege, Gewalt und nicht zuletzt die Spiritualität der Rastafari wird in der Musik reflektiert. Ein Beispiel ist „007 (Shanty Town)“ von Desmond Dekker And The Aces. Der 1967 veröffentlichte Song thematisiert die Gewalt seitens der jamaikanischen Regierung gegen eine StudentInnen-Demonstration. „Dem a loot, dem a shoot, dem a wail“, heißt es dort.

Rude Boys zwischen den politischen Parteien

In den 60er-Jahren trugen die politischen Parteien Jamaikas, die PNP und die JLP, ihren Machtkampf auch auf den Straßen des Inselstaates aus und feuerten die Rivalität zwischen Banden immer wieder an. Der Rude Boy, eigentlich als Bezeichnung eines coolen Tänzers, der manchmal kleinkriminell wird, ist Thema vieler Reggae-Songs. Auch „The Harder They Come“, ein Film, in dem der Reggae-Künstler Jimmy Cliff die Hauptrolle spielt, erzählt die Geschichte eines jungen Musikers, der mit dem System in Konflikt gerät, zu dealen beginnt und am Ende des Films von der Polizei erschossen wird.

Aus Ska, der in den späten 1950er-Jahren ebenfalls auf Jamaika entstanden war, Rocksteady und US-amerikanischen Einflüssen wie Soul, R&B oder Jazz hatte sich Reggae Ende der 60er entwickelt. Als einer der ersten Reggae-Songs gilt „People Funny Boy“ (1968) von Lee „Scratch“ Perry, der später mit dem Studio One viele Hits produzieren sollte. Popularität erlangte das Genre vor allem durch Künstler wie Bob Marley, Dennis Brown, Gregory Isaacs oder Toots And The Maytals sowie durch die vielen EinwanderInnen aus Jamaika in Großbritannien, die in den britischen Industriestädten Reggae hörten und spielten.

Reggae ist längst ein globales Phänomen. Wie Reggae in Italien, Polen oder Deutschland klingt, erforscht Gardy Stein in den Länderspecials der Sendung Forward The Bass bei ByteFM. Mit Forward The Bass hört Ihr bei uns immer montags um 18 Uhr, moderiert von Gardy Stein und Karsten Frehe eine Sendung, die neben den klassischen Spielarten wie etwa Roots-Reggae, Modern Roots, Rocksteady, Ska und auch aktuellen Reggae und Dub beleuchtet. Die nächste Ausgabe Forward The Bass am Montag, den 3. Dezember 2018 widmet sich den Einflüssen des Punk im Reggae.

Eine junge Reggae-Musikerin empfehlen wir Euch an dieser Stelle: Die 18-jährige Koffee aus Jamaika.

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