Scott Walker in fünf Songs: Von Teenie-Pop bis Avantgarde-Rock

Foto von Scott WalkerScott Walker (Foto: Jamie Hawkesworth / 4AD Records)

Eine Stimme, die ganze Welten erschuf, ist verstummt: Scott Walker ist im Alter von 76 Jahren gestorben, wie sein Label 4AD am 25. März berichtete. Durch seine Aufnahmen mit The Walker Brothers Mitte der 60er-Jahre wurde der spätere Klangweltenforscher, der 1943 als Noel Scott Engel geboren wurde, nicht nur ein internationaler Superstar, sondern auch zur Gesangsikone. Als sich die von London aus operierende US-Band 1967 auflöste, hatte sie zwei Nummer-Eins-Hits in Großbritannien gehabt (darunter „The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“) und Scott Walker war mit Anfang 20 bereits des Popstar-Daseins müde.

Auf Solo-Pfaden war er in den nächsten zwei Jahren mit den Alben „Scott 1“ bis „Scott 3“ eine Konstante in den britischen Top Ten, danach blieb der große kommerzielle Erfolg aus. Zwischen Mitte der 70er-Jahre und 1995 erschien, neben einer mäßig erfolgreichen Wiedervereinigung von The Walker Brothers, nur ein einziges Scott-Walker-Album. Die von der Kritik geschätzten Veröffentlichungen ab Mitte der 90er stellten einen radikalen Bruch mit dem bisherigen Werk dar: Scott Walker, der mit Mitte 20 musikalisch alles erreicht hatte, machte, was er für künstlerisch relevant hielt – kompromisslose Avantgarde-Alben. Ab 2006 veröffentlichte der Künstler auf dem US-amerikanischen Label 4AD. Seine letzte Arbeit war der Soundtrack zum Film „Vox Lux“ im Jahr 2018. Wir porträtieren die Karriere des Musikers in fünf Songs.

The Walker Brothers – „Pretty Girls Everywhere“ (1965)

Die Band wanderte nach Großbritannien aus, um „Swinging London“ zu knacken – mit Erfolg. Mit der ersten Single schaffte es die Band auf Anhieb in die Top-20 der Charts. Scott Walker tritt hier noch als typischer Sänger und Bassist einer Pop-Band in Erscheinung.

The Walker Brothers – „Make It Easy On Yourself“ (1965)

Einer von zahlreichen Songs aus der Feder des Duos Burt Bacharach und Hal David, die Walker interpretierte, bescherte der Band ihren ersten Nummer-Eins-Hit. Bereits zwei Jahre später war die Band Geschichte. The Walker Brothers zerbrachen an Erfolgsdruck und Tour-Stress.

Scott Walker – „Joanna“ (1968)

Der größte Erfolg für Scott Walker wurde „Joanna“, verfasst von Tony Hatch und Jackie Trent, bei dem der Sänger einen bedeutenden Teil des Textes selbst verfasst haben soll. Es überrascht nicht, dass Künstler wie The Divine Comedy Scott Walker als musikalischen Einfluss nennen.

Scott Walker – „Track Three“ (1983)

Mit der dritten selbstverfassten Single-A-Seite seiner Karriere warb Walker für sein einziges Album der 80er-Jahre, „Climate Of Hunter“ aus dem Jahr 1984. Die Single blieb ohne Erfolg. Das Album erreichte Platz 60 der britischen Charts und markiert den Beginn von Walkers experimenteller Phase. Der Legende nach war es die bis dato am schlechtesten verkaufte Platte auf Virgin Records, Walkers damaligem Label.

Scott Walker & Sunn O))) – „Brando“ (2014)

Niemand ahnte, dass „Soused“ Scott Walkers Abschiedsalbum als Sänger sein würde. Die Kollaboration mit der Drone- und Doom-Band Sunn O))) wurde von Fans und KritikerInnen gefeiert und spiegelt den Forschergeist und die Experimentierfreude Scott Walkers wider, die ihn bis zuletzt antrieben.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Frank
    Mrz 25, 2019 Reply

    Verbeugung vor einem ganz Großen! R.I.P., Scott … Tilt …

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