Sleaford Mods – „Eton Alive“ (Rezension)

Cover von „Eton Alive“ von Sleaford Mods (Extreme Eating)

Sleaford Mods – „Eton Alive“ (Extreme Eating)

7,5

Seitdem Sleaford Mods 2014 mit ihrem siebten Album „Divide And Exit“ in die Feuilletons einzogen, liest sich ein Großteil der Rezensionen über das Duo aus Nottingham ähnlich: Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 spuckt Jason Williamson wütend profane Textzeilen im authentischen East-Midlands-Dialekt aus, während Andrew Fearn stoische Post-Punk-HipHop-Beats aus seinem Laptop abfeuert. Wer mit dieser Grundformel nichts anfangen kann, lässt sich auch nicht von neueren Platten wie „Live Tonight“ oder „English Tapas“ überzeugen.

Doch wer Sleaford Mods mag, der erwartet von ihnen auch keine Shoegaze-Platte. Fans dieser höchst produktiven Band werden von ihr im Jahresrhythmus mit neuer Musik belohnt, die zwar nie ganz frisch riecht, aber trotzdem stets eine starke Dosis ihrer wichtigsten Zutat enthält: ansteckende, reinigende Wut. Sleaford Mods laden dazu ein, sich gemeinsam an den aktuellen Frustrationen abzureagieren. Umso überraschender, dass sich die Band auf „Eton Alive“ musikalisch nun doch etwas weiter denkt: Ihr Sound ist elektronischer und tiefenlastiger geworden.

Die Änderungen sind subtil, aber effektiv: „Into The Payzone“ eröffnet die LP mit Acid-Bassline und Sägezahn-Synthesizern. Durch „Kebab Spider“ wabern dezente Dubstep-Wobs. In „Top It Up“ stolpert ein fieser Breakbeat, um den Williamsons Textzeilen mit beeindruckender Selbstverständlichkeit tänzeln. Und dann gibt es noch den Ausnahmesong „When You Come Up To Me“, in dem Williamson seinen gewohnten Rap gegen zurückgenommenen Gesang austauscht – und zum ersten Mal in seiner Karriere nicht aggressiv und konfrontativ, sondern verletzlich erscheint. „I wanna love the sky and the universe“, singt er mit einer Melancholie, die einen kurz schlucken lässt.

Gegen Poser-Punks und Edel-Internate

Doch auch für die reinige Wut, die ihre Fans erwarten dürften, haben Williamson und Fearn auf ihrem zehnten Album wieder allerlei Zündstoff gefunden: „OBCT“ ist eine Abrechnung mit Working-Class-Posern, die all den „Grit and dirt“ der britischen Unterschicht nur als Maske tragen (was Williamson vor ein paar Tagen auch seinen Punk-Landsmännern Idles unterstellte). Auch der „Adel“ kriegt sein Fett weg, schließlich bezieht sich der Albumtitel auf das Edel-Internat Eton, auf dem schon die Prinzen William und Harry in elitärer Isolation ihre Ausbildung genossen haben. Der einzige Ausweg aus dem festgefahrenen Klassensystem scheint die Revolution, doch selbst die ist vom Kapitalismus vergiftet. „It‘s not enough to want change / You have to do change / But the only change I like is in my pocket“, heißt es in „Subtraction“.

Subtile Überraschungen wie diese halten einen während den auch hier ab und an etwas stagnierenden Stücken (etwa das richtungslos vor sich hin schaukelnde „Big Burt“ oder das auch für eingefleischte Fans ziemlich altersmüde daherkommende „Firewall“) bei der Stange. Neue Fans werden Sleaford Mods mit „Eton Alive“ nicht gewinnen. Doch wer ein Herz für die britischen Chef-Nörgler hat, wird mit einem überraschend frischen Album belohnt.

Veröffentlichung: 22. Februar 2019
Label: Extreme Eating

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