Zehn Fragen an: Matthes Köppinghoff (Champagne Supernova)

Foto von ByteFM Moderator Matthes Köppinghoff, der die Sendung Champagne Supernova moderiert

Matthes Köppinghoff feiert im September 2021 zehnjähriges ByteFM-Jubiläum mit seiner Sendung Champagne Supernova

In seiner Sendung Champagne Supernova unternimmt Matthes Köppinghoff alle vier Wochen eine Reise ins Vereinigte Königreich. Anders als es der einem Oasis-Song entlehnte Sendungstitel vermuten lässt, bietet die musikalische Auswahl dabei weit mehr als nur Britpop. Anlässlich seines zehnjährigen Sendungsjubiläums haben wir mit unserem Moderator über Klischees, die Freude am Erstellen von Playlisten, nervige Radio-Comedy und musikalische Erleuchtungen im Familienkombi gesprochen. Und er lässt die Bombe platzen: Die meistgespielte Band in der Geschichte von Champagne Supernova ist nicht Oasis!

1. Lieber Matthes, wie bist Du zu ByteFM gekommen?

Ich glaube, das war sehr kurz nach meinem Studium – meine Masterarbeit war ein Audio-Feature über Britpop, das wollte ich ByteFM und Ruben Jonas Schnell andrehen. Das mit dem Feature hat zwar nicht geklappt, aber ich bin mit Ruben in Kontakt geblieben. Dann Umzug nach Hamburg, kurze Findungsphase, weitere Gespräche, der Wunsch „bitte nicht noch ein Praktikum machen zu müssen“ und dann bin ich zwei Wochen in der Redaktion mitgelaufen. Aus irgendeinem Grund hat mich Ruben schon sehr früh gefragt, ob ich nicht eine Sendung moderieren möchte. Darüber habe ich ein bisschen nachgedacht, ein paar Sendungsnamen in den Raum geworfen und die Idee, mich ausschließlich mit Musik aus Großbritannien beschäftigen zu wollen. Irgendwie blieb „Champagne Supernova“ als Titel übrig. Ist im Nachhinein auch die bessere Wahl als zum Beispiel „Supersonic“ oder so, auch wenn es mich bis heute vor allem auf Britpop festnagelt, was eigentlich gar nicht beabsichtigt ist. Aber den Titel mag ich bis heute.

2. Was machst Du, wenn Du nicht bei ByteFM moderierst?

Ich bin Musikjournalist beim NDR, ab und zu gebe ich Vorlesungen an Hochschulen, bin dabei, eine Doktorarbeit zu schreiben – und versuche, das mit einem tollen, ausgewogenen Privatleben in Einklang zu bringen. Klappt insgesamt ganz gut, bin aber gefühlt immer „on duty“, habe damit aber (noch) keine Probleme.

3. In Deiner Sendung Champagne Supernova befasst Du Dich einmal im Monat mit britischer Gitarrenmusik in all in Spielarten. Wie bist Du zum Britpop-Ultra geworden?

Joar … das ist halt das Klischee dieser Sendung, woran ich auch nicht ganz unschuldig bin. Die meistgespielte Band ist übrigens meine Lieblingsband Depeche Mode, also eigentlich gar nicht so richtig klassisch britische Gitarrenmusik. Ich hatte halt das Glück – oder Pech, wie man es nimmt – schon in der zweiten Ausgabe von Champagne Supernova mit Noel Gallagher sprechen zu können, der dann auch direkt mit einem Aufsager den Titel legitimiert hat. Dann irgendwann mit Graham Coxon, den Gitarristen von Blur. Suede hatte ich auch da. Dann waren da noch Liam Gallagher und Bonehead, also Ex-Oasis … naja. Ein paar Jahre fand ich das auch in Ordnung, der Britpop-Heini zu sein. Aber seit geraumer Zeit versuche ich, möglichst vielfältige Sendungsthemen auszusuchen, weil auch die britische Musiklandschaft deutlich mehr ist als Britpop. Aber das Image bleibt, auch nach Jahren des Gegensteuerns. Ist halt so, ist auch okay.

4. In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Playlisten: Wie definierst Du ganz persönlich Deine Rolle als Moderator? Welchen Stellenwert hat moderiertes Radio für Dich?

Es kommt immer auf das moderierte Radio an – da gibt’s ja auch ganz viel Quatsch. Das Tolle bei ByteFM ist, dass es dort Leute gibt, die hinter der Musik stehen. Die wissen, worüber sie sprechen, die Zusammenhänge herstellen und mir Einordnungen zu Songs, Platten und Künstler*innen mit auf den Weg geben. Playlisten sind auch in Ordnung, da ist aber die Gefahr auch hoch, dass man sich durchskippt, die Listen doch lustlos kuratiert sind (wenn überhaupt, Stichwort Algorithmus) und man zur nächsten wechselt, und dann geht‘s wieder von vorn los. Wenn man aber beispielsweise einen Klaus Fiehe moderieren hört, dann bleibe ich dran und entdecke Neues – und das mit einem Kontext. Da bin ich einfach Musikfan, der sich freut, tolle Stimmen, Geschichten, Anekdoten, aber vor allem eben Informationen zu bekommen. Menschen, die der Musik ein Gesicht geben und eine emotionale Bindung – das können Playlisten halt nicht, das sind aber auch zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei dem einen muss man sich nur auf die Musik konzentrieren, so es halt die Playlist hergibt. Bei dem anderen muss man riskieren, dass – jetzt ausdrücklich nicht bei ByteFM – die Moderator*innen auch mal Stuss erzählen oder Dich in den Tag lachen wollen, was ich nicht ausstehen kann. Das liebe ich an ByteFM, da werde nicht zum Lachen und vor allem Fröhlichkeit am Morgen gezwungen.
Ich persönlich mag es eigentlich gar nicht zu moderieren – meine Inselbegabungen sind, hoffe ich zumindest, Musikzusammenstellungen, irgendwas über Musik zu schreiben, Interviews zu führen, die nicht komplett bescheuert, aber hörenswert und interessant sind. Das wurschtele ich dann zusammen, es folgt viel Aufregung und sich selbst Stress machen, und am Ende kommt eine neue Supernova dabei raus. Aber das Einsprechen einer Sendung finde ich jedes Mal aufs Neue, auch nach zehn Jahren, immer noch furchtbar. Ich gelobe aber Besserung.

5. Erinnerst Du Dich an die Band oder die Platte, die Dich zum Musikfan gemacht hat?

Selbstverständlich. 1997, das Video von „Barrel Of A Gun” von Depeche Mode, das hatte es mir angetan; dann kam die nächste Single „It’s No Good“ raus, das fand ich großartig, und dann wollte ich das Album haben, und der große Moment kam: Tatort Voerde, ein Parkplatz, darauf der Köppinghoffsche Familienkombi, mein Vater legt meine frisch erworbene CD „Ultra“ ein, und Familie Köppinghoff minus dem Sohn findet das, was die Boxen des Nissan Primera damals so hergaben, scheiße. Also einhellige Meinung, DJ Bobo vorher fanden sie eindeutig besser. Da wusste ich: Das ist jetzt der Weg, den ich gehe. Depeche Mode sind super, und Musik sowieso. Die Band (auch im Kontext mit den Videos und Fotos von Anton Corbijn) waren die eine Seite meiner, naja, Rollenfindung. Dann aber auch Britpop, vor allem Oasis. Da musste ich mich regelmäßig entscheiden, ob ich es als Dave-Gahan-Lookalike versuche – also spaßbefreite schwarze Klamotten, geföhnte schwarzgefärbte Tolle, inklusive Dave-Ausdruckstanz und Camel rauchen – oder eben als vierter Gallagher-Bruder oder so, sprich Parka mit Clarks-Gesundheitsschuhen, auf der Tanzfläche die Arme hinter dem Rücken verschränken und dabei möglichst schlau und unbeteiligt gucken, dazu Benson & Hedges rauchen. Man hat’s halt nicht leicht als Teenager. Heute weiß ich, dass es auch Parkas in Schwarz gibt. Und Rauchen ist eh doof. Auch hier gelobe ich Besserung.

6. Du hast hin und wieder auch Musiker*innen im Interview. Welche Begegnung ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Eigentlich waren alle Gespräche schön, keines davon ätzend – zugegebenermaßen waren das in zehn Jahren auch nicht so viele Interviews. Ride waren vielleicht ein bisschen zäh. Die beiden Begegnungen mit Paul Weller waren sehr schön. Im Supernova-Kontext muss ich jetzt wahrscheinlich den Familiennamen Gallagher nennen, beziehungsweise werde ich immer zuerst nach denen gefragt: „Wie war’s mit Noel? Wie war’s mit Liam? Wie sind die so?“ Kurz zusammengefasst: Es war sehr aufregend.

7. Du gehörst zu den Moderator*innen, die auch gerne mal Live-Musik in ihrer Sendung spielen. Dein liebstes Live-Album?

Schwierige Frage, auf die man sich als Musikfan und -Journalist selbstverständlich sein Leben lang vorbereitet hat, aber spontan würde ich sagen „101“ von Depeche Mode. Da sind zwar noch nicht die Hits aus den 90ern mit drauf, aber die Stimmung darauf ist hervorragend: Eine Band aus und für Außenseiter wird zum Stadion-Act. Und danach sogar noch größer… für mich 95 Minuten Musikgeschichte. In Kürze kommt übrigens auch endlich das Knebworth-Konzert von Oasis raus, davon kenne ich zumindest schon ein paar Song-Aufnahmen – das könnte gut werden, wenn man denn englisches Gitarren-Geschrammel aus den 90ern mag. Das könnte dann aber die Essenz dessen sein.

8. Und Dein liebstes Live-Konzert-Erlebnis?

Beastie Boys, Dezember 2004 in der Philipshalle Düsseldorf. Da war ich mit einem Freund, wir haben das damals schon vor Ort als „unser bestes Konzert aller Zeiten“ festgelegt, und ich bleibe dabei. Seitdem habe ich aber viele weitere schöne Konzerte gesehen, dieses jedoch ist auf Platz 1.

9. Das schönste Kompliment einer Hörerin oder eines Hörers?

Och, eigentlich freue ich mich erstmal, wenn es keine Beschwerde über meinen schnellen Sprechstil gibt (ich gelobe Besserung). Einmal kam etwas, wo ich eigentlich dachte, oha, diese Supernova war jetzt vielleicht nicht so gelungen. Und eine Hörerin schrieb, es wäre „eine der schönsten Sendungen ever auf ByteFM“ gewesen. Ist mir bis heute ein Rätsel, habe ich aber gern angenommen. Dann ist ein Kompliment eigentlich am besten: Wenn man es nicht erwartet, aber gerade braucht.

10. Was wünschst Du Dir für die Zukunft, für Dich und ByteFM?

Ich würde mir für ByteFM mehr Erfolg wünschen, je nachdem wie man Erfolg so definiert. Reichweite, Bekanntheit, mehr Leute, die diesen Sender unterstützen, also auch die vielen Einzelpersonen, die das mit Idealismus und Bock an Musik machen. Das braucht Unterstützung, auch Geld, und daher wünsche ich mir für ByteFM vor allem mehr Freunde von ByteFM, damit der Sender mit seinem fantastischen Programm weitermachen kann. Für mich selbst – naja, ich würde gern endlich diese Doktorarbeit fertig machen. Aber das ist ja auch das Schöne an den Supernovas; da kann ich mich herrlich reinflüchten. Deswegen ist der Text auch übrigens so lang. Prokrastination mit Musik aus Großbritannien … es gibt Schlimmeres. Ach so: Ein Interview mit Depeche Mode, das dann auch bei ByteFM läuft, das steht auch auf der To-do-Liste. Sollte das jemals passieren, sagte mir Ruben irgendwann einmal, dann würde er mich zum Essen einladen. Mal sehen – vielleicht hat er es schon vergessen, aber ich habe es mir gemerkt und nehme ihn beim Wort!

Vielen Dank, Matthes!

Champagne Supernova mit Matthes Köppinghoff hört Ihr alle vier Wochen donnerstags von 11 bis 12 Uhr. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können alle Ausgaben jederzeit in unserem Sendungsarchiv nachhören.

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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