Dirty Projectors – „Lamp Lit Prose“ (Album der Woche)

Dirty Projectors - „Lamp Lit Prose“ (Album der Woche)

Dirty Projectors – „Lamp Lit Prose“ (Domino)

Als im Mai 2017 David Longstreth das selbstbetitelte siebte Album seines Projekts Dirty Projectors veröffentlichte, wirkte das wie der logische Schlussstrich für diese Band. Es war die erste Platte, seit er sich 2012 von seiner langjährigen musikalischen und zwischenmenschlichen Partnerin Amber Coffman getrennt hatte. Ein Ereignis, das tiefe Schatten über das Schaffen des Künstlers aus Connecticut warf: Es war de facto ein Soloalbum mit finalem Gewicht, voller einsamer Trauer, durch das hier und da noch die gesamplete Stimme seiner alten Wegbegleiterin geisterte – um ja nicht zu vergessen, welche Schmerzen hier besungen werden.

Nun sind fünf Jahre seit dieser Trennung vergangen – und sie scheint unheimlich weit weg, als habe Longstreth sie sowohl emotional als auch musikalisch überwunden. Das nun erscheinende neunte Dirty-Projectors-Album vereint den Künstler wieder mit seiner alten Rhythmusgruppe aus Bassist Nat Baldwin und Drummer Mike Johnson, mit denen er bereits auf Platten wie „Bitte Orca“ oder „Swing Lo Magellan“ zusammengearbeitet hat. Auch musikalisch scheint er wieder den Funken entzündet zu haben, der diese Alben zu ungewöhnlichen Meisterwerken gemacht hat: Wo „Dirty Projectors“ noch nach Innen gekehrte Schmerztherapie war, ist „Lamp Lit Prose“ nach Außen gewandte Sonnenscheinmusik, gefüllt mit heilender Energie und zwitschernden Paradiesvögeln.

Hyperaktive Licks und himmlischer Folk-Rock

Im Intro des Eröffnungsstücks „Right Now“ lamentiert Longstreth noch „I don‘t know how to be a better man“ – und liefert nur wenige Sekunden später die Antwort: „But I‘m gonna try, and I know when“, singt er mit neuer Determination, während mächtige Bläser-Salven, klimpernde Mandolinen und die astralen Harmonien der The-Internet-Sängerin Syd den Song in höhere Sphären katapultieren. Von diesem Moment an ist high life im Hause Dirty Projectors angesagt: Das wieselflinke Gitarren-Lick von „Break-Thru“ zielt direkt auf die Mundwinkel, während Longstreth mit augenzwinkernder Lässigkeit über Filmemacher Frederico Fellini und Strokes-Sänger Julian Casablancas sinniert.

Neben Syd hat Longstreth auch einige andere namhafte Gäste auf seine Wiederauferstehungsparty eingeladen: R&B-Newcomerin Amber Mark leiht dem Bizarro-Afrobeat-Song „I Feel Energy“ ihre Stimme. Das zwischen hyperaktivem Riff-Monster und Barock-Pop-Miniatur oszillierende „Zombie Conqueror“ wird von einem Gastbeitrag der Sängerin Empress Of geerdet. Und der Harmoniegesang vom Fleet-Foxes-Frontmann Robin Pecknold und dem ehemaligen Vampire-Weekend-Mitglied Rostam Batmanglij verwandelt die Ballade „You‘re The One“ in ein himmlisches Stück Folk-Rock.

Neben der ansteckenden guten Laune zeichnet „Lamp Lit Prose“ auch eine Rückkehr zum exzentrischen Songwriting der „Bitte-Orca“-Ära an: Songs wie „That‘s A Lifestyle“ und „I Found It In U“ sind in konstanter Bewegung, mutieren von einem akrobatischen Gitarren-Riff oder Rhythmus-Feuerwerk zum nächsten, als wäre man inmitten eines Battles-Jam. Damit das alles nicht zum kopflastigen Math-Prog verkommt, garniert Longstreth die Songs mit unwiderstehlichen Pop-Melodien – die stärker sind als jeder Herzschmerz.

Veröffentlichung: 13. Juli 2018
Label: Domino

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