Julia Jacklin – „Crushing“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Crushing“ von Julia Jacklin

Julia Jacklin – „Crushing“ (Transgressive)

„I guess it’s just my life / I guess it’s just my body“. Julia Jacklin, die australische Singer-Songwriterin, eröffnet ihr Zweitlingswerk „Crushing“ mit einem Seufzer von einem Song: Eine stoische Gitarre und eine monotone Rhythmusgruppe begleiten die resigniert klingende Jacklin dabei, wie sie im Opener „Body“ das Ende einer toxischen Beziehung nachzeichnet. So weit, so niederschmetternd.

Herzschmerz, Körper und Personal Space sind zentrale Themen auf „Crushing“. Kein Wunder: Julia Jacklin war nach dem Release ihrer Debütplatte „Don’t Let The Kids Win“ zwei Jahre lang unermüdlich auf Tour, sei es mit ihrem Soloprojekt oder ihrer Band Phantastic Ferniture. Jacklin hatte in der Zeit auch noch eine Beziehung und schnell kam in ihr das Gefühl auf, niemals Zeit und Raum für sich selbst zu haben. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Bald schleppte sich die Künstlerin nur noch als funktionale Hülle von A nach B, während sich in ihrem Kopf die Angst einrichtete. „Crushing“ ist also der hör- und spürbare Versuch, Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen – irgendwo zwischen den Polen Verknalltsein und Niedergeschlagenheit.

Empowerment hinter wehmütiger Folk-Fassade

Da passt es ganz gut, dass die Stücke zwischen melancholisch-introvertierten Folksongs und trotzig-aufbrausendem Indierock changieren. So erinnert der Song „Don’t Know How To Keep Loving You“ an Sharon van Etten, „You Were Right“ lässt Angel Olsen durchklingen. Doch Jacklin steht den beiden Branchenführerinnen weder stimmlich noch textlich in irgendetwas nach.

Der schwungvoll mitreißende Folkrock-Song „Pressure To Party“ ist ein Paradebeispiel für das Talent der Australierin, Songs zu schreiben, die einen erst mal beschwingt mitwippen lassen, bevor sie einem den Boden unter den Tanzschuhen wegziehen. Als würde man kurz nach der Trennung dem/der Ex unverhofft auf einer Party über den Weg laufen. Dieses emotionale Himmelfahrtskommando wird von Julia Jacklin lebendig nacherzählt und mit der ambivalent-hoffnungsvollen Zeile „Try To Love Again Soon“ beschlossen.

Von dieser Fragilität sollte man sich jedoch nicht einlullen lassen. Denn hinter der wehmütigen Folk-Fassade versteckt sich auch eine Menge Empowerment. So deklariert Julia Jacklin in „Head Alone“: „I don’t wanna be touched all the time / I raised my body up to be mine“ und betont die eigene Definitionshoheit über ihren Körper und die Grenzen im Umgang mit ihm.

Wenn Jacklin die Katharsis mit dem holzig pluckernden „Comfort“ beschließt und alle Geister ausgetrieben scheinen, wird klar, dass die Australierin in ihrer Trostlosigkeit etwas Wunderschönes, Heilsames erschaffen lassen. Und dann bleibt einem aber auch wirklich nichts anderes mehr übrig, als zu seufzen. Zufrieden, natürlich.

Veröffentlichung: 22. Februar 2019
Label: Transgressive

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