Sasami – „Sasami“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Sasami“ von Sasami

Sasami – „Sasami“ (Domino)

Sasami Ashworth verbrachte den Großteil ihres Lebens damit, Musik anderer Menschen zu spielen: Nach dem Abschluss an der Eastman School Of Music schrieb die klassisch ausgebildete Pianistin zunächst Studio-Arrangements für Curtis Harding und Wild Nothing, 2015 bis 2018 spielte sie Keyboard und Gitarre in der Band Cherry Glazerr.

Nebenbei, während Ashworth ihr musikalisches Netzwerk stetig vergrößerte, arbeitete sie als Musiklehrerin an einer Grundschule, wo sie sich im Multitasking übte: „Als Lehrerin musst Du so viele verschiedene Fähigkeiten beherrschen“, so Ashworth, „Du musst gleichzeitig Musikerin, Babysitter und Clown sein können.“ Diese Multitasking-Skills, gepaart mit dem Gespür für Teamwork, das Ashworth sich in den letzten Jahren als wichtige Akteurin der kalifornischen Indie-Szene erarbeitet hat, fruchten nun auf ihrem Solodebüt „Sasami“.

Windschiefe Pop-Miniaturen

Die erste dieser Fähigkeiten, die auf diesem Debüt auffällt, ist Ashworths Feingefühl für Arrangements, die häufig in die Irre leiten. Die Songs schlagen Haken, beginnen an einem Ort und enden ganz woanders. So startet der Albumopener „I Was A Window“ als spröde Indie-Pop-Miniatur, die plötzlich von Synthesizern, die in Schlangenlinien schlingern, in windschiefe Bahnen geleitet wird. „Not The Time“ überwältigt zunächst mit einer Wand aus Shoegaze-Gitarren und Motor-Beat, nur um dann Raum für ein dreckig-melodisches The-Strokes-Solo zu machen. „Pacify My Heart“ beginnt mit skelettalen Emo-Gitarren und endet in einer Kakophonie aus Noise, Glitch und Casio-Orgeln.

Ashworths Stimme ist dabei ihr vergleichsweise schwächstes Instrument, das neben den vielschichtigen Instrumentals manchmal etwas eindimensional rüberkommt – doch die Musikerin weiß sie dennoch richtig einzusetzen. So kontrastiert sie in „Pacify My Heart“ das reizüberflutende Finale mit betont nüchternem Gesang, der die emotionale Abgestumpftheit der Erzählerin spiegelt: „Sometimes I wish I never met you.“ Fernab davon zeigt sie sich in Songs wie „Adult Contemporary“ und „Free“ als fantastische Team-Playerin, deren Stimme erst im Duett mit anderen richtig strahlt. „There’s nothing wrong with a half finished song“, singt sie, während sie Devendra Banharts Stimme umschmeichelt – in einem Song, der alles andere als „half finished“ ist. Dieses Album demonstriert eindrucksvoll, dass Sasami lange genug für andere KünstlerInnen gearbeitet hat. Nun ist sie an der Reihe.

Veröffentlichung: 8. März 2019
Label: Domino

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