Seun Kuti & Egypt 80 – „Black Times“ (Album der Woche)

Seun Kuti & Egypt 80 - „Black Times“ (Album der Woche)

Seun Kuti & Egypt 80 – „Black Times“ (Strut Records)

Manche Eltern vererben ihren Kindern Häuser, manche wertvolle Gegenstände – doch als Fela Kuti im Jahr 1997 unter bis heute mysteriösen Umständen starb, vererbte er seine Band. Kein leichtes Erbe, das der junge Seun Kuti antreten musste: Sein Vater war nicht nur der nigerianische König des Afrobeats – er hatte das Genre erfunden. So war der Sänger und Saxophonist Seun Kuti bereits mit 14 Jahren Frontmann von Egypt 80, der besten Band des Landes.

Seitdem sind 21 Jahre vergangen, und Seun Kuti & Egypt 80 veröffentlichen ihr mittlerweile viertes Album. „Black Times“ ist ganz klar ein Afrobeat-Album in der Tradition von „Zombie“ oder „Beasts Of No Nation“, den Meilensteinen seines Vaters. Doch Seun Kuti ist nicht hier, um das Genre neu zu erfinden – er ist hier, um es zu regieren, mit fester Hand und mächtigen Grooves.

An der Wurzel des Stammbaums

Von der ersten Sekunde an spielen Egypt 80 mit ihren Muskeln: „Last Revolutionary“ beginnt mit virtuos verzahnten Highlife-Gitarren und Bläsern, während Bass und Drums gnadenlos voranschreiten. Darüber spricht der Frontmann als „General Seun Kuti“ einen bedauernden Toast an die Vergangenheit: „To the roots of the family tree / To the lost bridges of our history.“ Diese Energie zwischen Kuti und seiner Band ist ansteckend: Wenn im Titeltrack der E-Gitarren-Opa Carlos Santana auf ein Solo vorbeischaut, klingt er zum ersten Mal seit dreißig Jahren nicht wie ein alter Mann.

„Black Times“ gestaltet sich mit seinem konstanten Beat-Gewitter als schweißtreibende, körperliche Erfahrung. Einzig und allein „African Dreams“ gewährt dem Hörer eine Verschnaufspause. Doch selbst im gemütlichen Reggae-Tempo spielen Seun Kuti & Egypt 80 in ihrer eigenen Liga: Der dubbige Bass und die präzisen Drums haben alle Fäden in der Hand, während die melancholischen Bläser-Fanfaren und ein transzendentales Saxophon-Solo jedes Joint-Feuer vor Ehrfurcht verglimmen lassen.

Doch die wahre Stärke von „Black Times“ liegt in Kutis Texten: „So many generations lost to vanity / lost to hipocrisy“, lamentiert er an einer Stelle über die leere Konformität seiner Mitmenschen, während er sich im Titeltrack das omnipräsente Thema Fake News und in „C.P.C.D.“ die korrupte Regierung Nigerias vorknöpft. Das versteht er mindestens so gut wie sein Vater: Die tanzbaren, guten Vibes der Musik mit bitterbösen Worten zu untergraben. Das Erbe scheint bei Seun Kuti in den richtigen Händen zu liegen.

Veröffentlichung: 2. März 2018
Label: Strut Records

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