The Lytics – „Float On“ (Album der Woche)

The Lytics – „Float On“ (Album der Woche)

The Lytics– „Float On“ (Haldern Pop Recordings)

Wie sagten Public Enemy einst auf ihrem 1990er Meilenstein „Fear Of A Black Planet“: „Soon you’ll see what I’m talkin‘ ‚bout / Cause one day / The brothers gonna work it out.“ Damals meinten Chuck D, Flavor Flav und Co.„Brothers“ wahrscheinlich eher im metaphorischen Sinne. Nimmt man das mit den Brüdern wörtlich, dann passt diese Prophezeiung im Fall von The Lytics wie die Faust aufs Auge.

Familie wird bei der HipHop-Crew aus Winnipeg, Kanada, nämlich großgeschrieben: Die MCs Andrew und Anthony Sannie sind Geschwister, der dritte Rapper Mungala Londe ist ihr Cousin und ihr großer Bruder Alex Sannie ist für die Beats verantwortlich. Die Familienbande reicht soweit, dass das fünfte Mitglied DJ Lonnie C im Pressetext sogar als „Adoptivbruder“ bezeichnet wird.

These brothers worked it out!

Dass diese Gruppe nicht nur durch Blut, sondern auch durch gemeinsames Talent verbunden ist, erkannte nicht zuletzt Mike D. Das Beastie-Boys-Gründungsmitglied nahm The Lytics als Co-Produzent unter seine Fittiche – einen größeren Ritterschlag kann sich eine Newcomer-Crew wohl kaum wünschen. Mit „Float On“ erscheint nun ihr zweites Album. Es sind zwölf aus der Zeit gefallene Songs geworden, jenseits von aktuellen Trends wie Emo- oder Cloud-Rap. Stattdessen lassen The Lytics die goldene Zeit des 90er-Jahre-HipHops in neuem Glanz erstrahlen.

Nach einem abstrakten, streicherlastigen Intro eröffnen The Lytics ihre Boombap-Party mit „For My People“: Der Bass drückt, das Piano-Sample jazzt und der Beat knistert in bester Oldschool-Manier, als wäre man mitten in einem A-Tribe-Called-Quest-Album. Der Flow der Familie Sannie pendelt zwischen tiefem Swagger à la Phife Dawg und der nasalen Energie von Danny Brown. In den Hooks von „Glow“ und „Things You Could Use“ kommt noch eine ordentliche Portion Soul dazu. Und der Abschluss „Tried So Hard“ erinnert mit seinen verhallt-verträumten Samples fast an den psychedelischen Alternative-HipHop, den Acts wie Clouddead oder Digable Planets einst produzierten.

Diese Songs sind stets von einer nostalgischen Note durchzogen, die erfrischend optimistischen Texte verhindern jedoch, dass „Float On“ zu einer redundanten Retro-Nummer wird: The Lytics rappen nicht über den Hustle und die Drogen, sondern über Love, Happiness und fröhliches Tagträumen. Es scheint, als hätten Public Enemy recht gehabt: These brothers worked it out!

Veröffentlichung: 7. September 2018
Label: Haldern Pop Recordings

Das könnte Dich auch interessieren:

Angel Olsen – „All Mirrors“ (Album der Woche) Mit ihrem vierten Album zementiert Angel Olsen endgültig den Status als Meisterin ihres Fachs. „All Mirrors“ ist das ByteFM Album der Woche.
Danny Brown – „Uknowhatimsayin¿“ (Rezension) Früher klangen Danny Browns Songs wie musikgewordene Panikattacken. Nach drei LPs voll selbstzerstörerischer Exzesse lebt Danny Brown auf „Uknowhatimsayin¿“ sein bestes Leben. Es ist eines der besten HipHop-Alben des Jahres, befindet unser Autor Marius Magaard.
DJ Premier kündigt neues Album von Gang Starr an Neun Jahre nach dem Tod des US-Rappers Guru hat DJ Premier ein neues Album ihres gemeinsamen Projekts Gang Starr angekündigt. Mit „Family And Loyalty“ gibt es bereits einen neuen Song zu hören.


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.