The Saxophones – „Songs Of The Saxophones“ (Album der Woche)

The Saxophones - „Songs Of The Saxophones“ (Album der Woche)

The Saxophones – „Songs Of The Saxophones“ (Full Time Hobby)

Es klingt wie die ultimative US-amerikanische Hippie-Idylle: Das Ehepaar Alexi Erenkov und Alison Alderdice haben in ihrem Hausboot, verankert an der Küste der San Francisco Bay Area, gemeinsam zehn Songs für ihr verträumtes Debütalbum geschrieben, das nun im selben Jahr erscheint, in dem auch ihr Sohn das Licht der Welt erblickt hat.

Ihre Band heißt The Saxophones, ein Name der zum einen hält, was er verspricht, zum anderen komplett in die Irre leitet: Alexi Erenkov war ursprünglich studierter Jazz-Holzbläser. Doch als er nach und nach immer mehr Zeit seiner Gitarre widmete, entschloss er sich, zumindest seine Band nach seinem alten Lieblingsinstrument zu benennen. Das Debüt, „Songs Of The Saxophones“, klingt so gar nicht nach dem E-Street-Band-Pathos oder dem 1980er-Balladen-Kitsch, der in der Pop-Musik oft mit dem Instrument verbunden wird. Stattdessen haben The Saxophones eine introspektive Folk-Platte geschaffen, auf der sanfte Flöten zart gestreichelte Drums und Gitarren umkreisen.

Zarte Flöten und gestreichelte Drums

Diese Musik wird jedoch nicht von Flöten oder Saxophonen zusammengehalten, sondern von Erenkovs sonorer Stimme. Mit der ruhigen Intensität eines jungen Leonard Cohen und dem tiefen Timbre des The-Magnetic-Fields-Frontmann Stephen Merritt bringt er wundervolle Zeilen wie „Time is like a river / Don‘t you know? / I can‘t recall quite how“ zum Schwingen. Begleitet wird er von Alisons bedachtem Schlagzeugspiel, deren gedämpfte Tom-Schläge dabei sanft wie sommerliche Regentropfen klingen und der restlichen Produktion beeindruckend viel Raum geben.

Was auf dem Papier nach der eingangs erwähnten, überharmonischen Hippie-Idylle wirken mag, offenbart auf der Platte Tiefe. Zum Beispiel, wenn Erenkov in „Picture“ mit den Klischees der Flöten-Musik der Native Americans spielt – und dabei Woody Guthries „This Land Is Your Land“ zitiert. Oder wenn das Duo in „Singing Desperately“ den Slow-Core von Cigarettes After Sex mit Exotica kombiniert. Oder in „Afterglow“ nur 57 Sekunden braucht, um das vielleicht bisher schönste Liebeslied des Jahres zu singen. Oder einer der anderen Momente, der einem auf „Songs Of The Saxophones“ in seiner minimalistischen Schönheit den Atem raubt.

Veröffentlichung: 1. Juni 2018
Label: Full Time Hobby

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