The Last Poets – „Understand What Black Is“ (Rezension)

Cover des Albums „Understand What Black Is“ von The Last Poets (Studio Rockers)

The Last Poets – „Understand What Black Is“ (Studio Rockers)

8,5

Ziemlich genau 50 Jahre nach dem Tag, an dem sich The Last Poets in der Urformation für ein Konzert in Gedenken an Malcolm X in New York am 19. Mai 1968 zusammengefunden hatten, erscheint mit „Understand What Black Is“ ein neues Album der New Yorker Formation. Die drei US-amerikanischen Künstler gehörten mit ihrer musikalisch untermalten, gesprochenen Poesie in den 70ern zu den Wegbereitern des HipHop, dank dem sie in den 80er-Jahren als Samplegeber auch erneute Berühmtheit erlangten. In den letzten 20 Jahren aber gingen die Projektmitglieder eigene Wege.

Anlass für die Wiederbelebung von The Last Poets in diesem Jahr war die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich die Meister des Spoken Words mit klaren Botschaften zurückmelden und dabei den Finger nicht nur in die Wunden legen, sondern mit viel Wut und Verzweiflung hineinbohren. Auch wenn „Understand What Black Is“ einen klaren Fokus auf die Ansichten, Errungenschaften und Diskriminierungen der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA legt, sind die Inhalte auf die gesamte Menschheit übertragbar. The Last Poets haben im Verlauf ihrer Karriere viel bewirkt und benannt. Samples ihrer Tracks finden sich bis heute in vielen Produktionen wieder, u.a. bei The Notorious B.I.G., A Tribe Called Quest, Dr. Dre und Snoop Dogg. Die Vermengung von Poesie und klaren (sozial-)politischen Botschaften macht sie zu Weggefährten von Künstlern wie Gil Scott-Heron, der in seinem Gesamtwerk ebenfalls sehr oft mit Spoken Word gearbeitet hat, bei „The Revolution Will Not Be Televised“ oder „B-Movie“ zum Beispiel.

Klare Botschaften von den Meistern des Spoken Word

Mit der Dub Poetry gibt es eine Parallelbewegung im Reggae, in der Künstler wie Oku Onuora, Linton Kwesi Johnson und Benjamin Zephaniah ebenfalls klare Ansagen machen. The Last Poets vereinen auf dem neuen Album beide Stränge: die jazzigen und gelegentlich mit Funk angereicherten Sounds von Gil Scott-Heron und die Dubreggae-Elemente der jamaikanischen und britischen Tradition. Letzteres liegt vor allem daran, dass neben Ben Lamdin alias Nostalgia 77 auch Prince Fatty als Produzent tätig war, der für seine coolen Reggae- und Dubsound weltweit bekannt ist.

Auf den insgesamt zehn Titeln haben die Akteure viel zu sagen. Das ergibt sich aus dem Spoken-Word-Ansatz sowie der inhaltlichen Notwendigkeit, macht es aber schwer, die resultierende Vielseitigkeit knapp zu benennen. Es gibt wenige KünstlerInnen, die so treffsicher formulieren und auf Missstände hinweisen, wie The Last Poets. Angesichts beängstigender Zustände auf dieser Welt setzt „Understand What Black Is“ ein sehr markantes Zeichen. Wer Anspieltipps braucht, sollte sich unbedingt den Titeltrack, „The Bridge“ und/oder „Rain Of Terror“ anhören.

Veröffentlichung: 18. Mai 2018
Label: Studio Rockers

Karsten Frehe würdigte „Understand What Black Is“ bereits am 21. Mai 2018 in seiner Sendung Forward The Bass. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Ausgabe im ByteFM Archiv nachhören.

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