12.01.: Faul, verantwortungslos und sexbesessen

„Faul, verantwortungslos und sexbesessen“, so schreibt die Welt über Michel Gondrys ersten Superheldenfilm „The Green Hornet“, meint das aber gar nicht negativ. Halt, doch, meint sie negativ. Es soll nämlich so lange an dem Filmskript zur Serie, mit der Bruce Lee in den Sechzigern zum Weltstar wurde, herumgeschrieben worden sein, dass „irgendwann die Idee, die Hauptrolle ausgerechnet von Seth Rogan als typische Seth-Rogan-Figur spielen zu lassen, einigermaßen brillant vorgekommen sein muss.“ Dass der die grüne Hornisse nun als eher dämlichen Verlierer spielt, sei zwar in der Vorstellung „irre lustig“, auf der Leinwand sei es das „nicht“.

Wer den Film „The Green Hornet“ im Gegensatz zur Welt sehr gut findet, ist die taz. Die meint, dass die „Actionszenen, gerade im fulminanten Showdown zwischen dem etwas obskuren Mafiaboss Chudnofsky (Christoph Waltz) und dem Heldenduo“ sich so „freudig ihrer eigenen Awesomeness (sic) [ergeben], dass es nur so eine Art hat.“ So sei das Ganze dann nämlich „cool und mitreißend, Unterhaltungskino der besten Sorte“ vom französischen „Musikvideo-Wunderkind“ Gondry.

Gänzlich „Im flaschen Film“ sieht sich die taz dann aber beim Thema Schweden. Bis vor kurzem war es ja so, dass jedem, der an Schweden dachte, „nicht als Erstes Astrid Lindgren, Abba oder Ikea ein[fiel], sondern – Sex.“ Seit den Sexualdeliktsbeschuldigungen gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich das Bild allerdings radikal verändert: Schweden hat jetzt den Ruf als „Saudi-Arabien des Feminismus“ (Assange) oder „Wespennest des revolutionären Feminismus“ (nochmal Assange). In diesem Artikel wird der Sache nachgegangen und am Ende glücklicherweise resümiert: „Schweden und Sex gehören eben doch zusammen.“

So bleibt es uns also erspart, nach dem Rock’n’Roll in der gestrigen Presseschau auch noch die sexualliberale Traumgesellschaft Schweden beerdigen zu müssen.
Und für alle, die dachten, dass das mit dem Rock’n’Roll nur ein Scherz war: Im Guardian sind neue Beweise für das Dahinscheiden der Gitarrenmusik aufgetaucht. 2010 kamen nur drei der 100 meistverkauften Songs Großbritanniens von Rockbands, und der erfolgreichste Song dieser drei war Journeys „Don’t Stop Believing“ – weil er in der Serie „Glee“ vorkam. Aber das war schließlich 2010. Neues Jahr, neues Glück, oder? Leider ist für 2011 nicht wirklich Besserung in Sicht. Bei den Wahlen des BBC Sound Of 2011 wurden Rockbands wie Mona oder The Vaccines auf die arg weit hinteren Plätze verwiesen. Dazu kommt, dass viele Gitarrenbands wie Bloc Party, Editors oder The Gossips Beth Ditto „have ‚gone electro‘ in the last 18 months“. Aber bevor man jetzt losgeht und Totenkränze kauft – es ist noch nicht aller Tage Abend: „Retro-influenced acts the Strokes and the White Stripes saved guitar music 10 years ago. Rest assured, when rock returns it will sound as reassuringly, tediously familiar as it always has.“ Ein Hoch auf die musikalischen Zyklen.

Wenig bei der Rettung des Rock helfen werden wohl die Gorillaz, die kürzlich Zuwachs bekommen haben. Das neueste Cartoon-Mitglied der Band trägt den Namen The Evangelist und wurde von Gorillaz.com-User jirouta im Rahmen eines dazugehörigen Online-Wettbewerbs zur Aussehensfindung entworfen. The Evangelist (ziert unsere heutige Presseschau) in seiner ganzen Pracht könnt Ihr bei Pitchfork bewundern.

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  1. posted by
    12.01.: Faul, verantwortungslos und sexbesessen : ByteFM Magazin | My Wikileaks
    Jan 12, 2011 Reply

    […] den Originalbeitrag weiterlesen: 15 – 12.01.: Faul, verantwortungslos und sexbesessen : ByteFM Magazin   Ende Zitat/ Auszug Dieser Beitrag wurde unter Leaks abgelegt und mit dass-jedem, erstes, […]

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