Album der Woche: Silicon – „Personal Computer“

Cover des Albums Personal Computer von SiliconVeröffentlichung: 28. August 2015
Web: Silicon auf Facebook
Label: Weird World
Kaufen: artistxite-Shop

In den 80er-Jahren war Neuseeland in Punk-, Indie- und artverwandten Kreisen in Westeuropa und den USA hoch im Kurs. Schuld am guten Ruf war das Label Flying Nun, das eine aufregende Band nach der nächsten veröffentlichte. Da hörte man Musik zwischen kühlem Post-Punk und schrammeligem Indiepop, zum Beispiel von The Chills, The Verlaines, Tall Dwarfs und The Clean. Wie es mit so vielen unabhängigen Labels geschah, wurde Flying Nun von einem Major geschluckt, doch eine Gruppe von Leuten, darunter Gründer Roger Sheperd, kaufte es 2009 wieder zurück und machte es zu mehr als einer von vielen Major-Label-Marken.

Warum diese ganze Geschichtserzählung? Der musikalische Werdegang von Kody Nielson aus Orewa, Neuseeland, ist eng mit Flying Nun verknüpft. Sein Vater, selbst Musiker, stachelte ihn und Bruder Ruban Nielson, besser bekannt als Unknown Mortal Orchestra, zum Musikmachen an. Kaum waren die Geschwister aus der High School raus, gründeten sie The Mint Chicks, führten Pop-Hooks und Gitarrenkrach zusammen und veröffentlichten mehrere EPs und Alben bei Flying Nun. 2010 gingen die Mitglieder getrennte Wege, zum Beispiel in Richtung Blouse und Die! Die! Die!.

Unter dem Namen Opossom wandte sich Kody Nielson verträumt-melancholischem Indiepop zu, mit Silicon beschreitet der Multiinstrumentalist ganz andere Wege. Irgendwie auch dreamy und unbeschwert, aber in einem anderen Sinne. Die Leichtigkeit entlockt er den Maschinen. „Never be lonely. Personal Computer. Someone that’s listening.“ Mit diesen Worten beginnt das Album. Gesprochen werden sie von einem, Überraschung, Computer. Was folgt ist mit Funk angereicherter, kantiger Pop.

Im Opener „Personal Computer“ ergießen sich Vocoder-Vocal-Kaskaden. Das Arrangement des nächsten Stücks „Cellphone“ scheint an eine 8bit-Gameboy-Melodie angelehnt, Nielson füllt es durch Harmonien und helle Synthesizer mit Leben. Und mit jedem weiteren Track entfernt sich der Musiker einen weiteren Schritt aus unserer Atmosphäre in Richtung weites Weltall, angetrieben von spacigen Synthieflächen. Mit Stakkatosounds nimmt er in der Single „Burning Sugar“ an Fahrt auf, das groovig-knarzige „I Can See Paradise“ lädt wiederum zum Durchatmen ein.

Im Jahr 2015 stehen Funk und 70er-Jahre-Weltall-Utopien hoch im Kurs, „Personal Computer“ ist da keine Ausnahme. Das Album klingt jedoch nicht wie eine beliebige Verwurstung der bekannten Themen. Hier hört man Fleisch und Blut und coole Arrangements, die ihren Zauber entfalten, während sie sich kein bisschen um Eingängigkeit scheren.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Personal Computer“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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