Neue Platten: Tindersticks – "The Something Rain"

(City Slang)(City Slang)

9,0

Als vergleichsweise Spätgeborener bleibt einem der Nachteil, sich vielen Bands und Künstlern erst im Nachhinein und schrittweise annähern zu können. Die Tindersticks sind zwar noch keine 50 Jahre mit dabei, sind aber doch ein Stück Musikgeschichte, das mir lange Zeit verborgen blieb. Zwar konnte ich den einen oder anderen Song zuordnen, aber der Funke wollte nicht ganz überspringen. Woran das liegt, sei dahingestellt. Mit ihrem Album „Falling Down A Mountain“ aus dem Jahr 2010 änderte sich das aber grundlegend. Gerade die treibende Blues-Nummer „Black Smoke“ oder das zarte, unsagbar traurige „Factory Girls“ haben sich einen prominenten Platz in meiner Playlist gesichert. Im Vorfeld eines Konzerts beim Donaufestival 2010 hatte ich zudem das Vergnügen, in das lichter werdende Haar von Stuart A. Staples zu blicken, als dieser bei der Vorpremiere des Claire-Denis-Films „White Material“ zugegen war, für den die Tindersticks die Musik geschrieben hatten. Beim später stattfindenden Konzert war ich längst schon überzeugt und hingerissen von der eleganten Schönheit und bizarren Verspieltheit der Kompositionen.

Das cineastische Element – neben „White Material“ haben sie drei weitere Filme von Claire Denis vertont – ist auch auf „The Something Rain“ beinahe allgegenwärtig. Der neunminütige Opener „Chocolate“ verdeutlicht das am eindrucksvollsten und sollte in aller Länge gehört werden. Nicht Staples, sondern Kollege David Boulter erzählt darin detailreich und mit ruhiger Stimme die Geschichte von einem Innenarchitekten und seinem Freitagabend, der mit einer Tasse richtiger heißer Schokolade („not that instant shit you get from a machine“) und einer überraschenden Wende zu Ende geht. Bis zum unmissverständlich benannten letzen Stück „Goodbye Joe“ folgen noch acht Songs, aber erst nach über einer Minute von „Show Me Everything“ empfängt uns Staples gewohnt imposanter Bariton und wischt jeglichen Zweifel weg, dass es sich hier nicht um eine Platte der Tindersticks handelt.

Die Songs an sich sind abwechslungsreich und haben alle Qualitäten, die man von der Band kennt: ausgeklügelte, dichte Klangteppiche, anmutige, süße Melodien und teilweise nicht ganz eindeutige Texte, die mehr eine Stimmung vermitteln als eine klare Botschaft. Was vielleicht heraussticht, ist eine Dringlichkeit und eine Selbstsicherheit dem eigenen Werk gegenüber, die man „The Something Rain“ anhört. Die Band selbst hatte im Vorfeld der Veröffentlichung Zufriedenheit ausgestrahlt und dafür deutliche Worte gefunden:

„Making albums is a tricky thing; writing, arranging, playing, recording, mixing, all so important to get right. Then there is that other element permeates everything; desire. If you have this, you can fuck up any or all of the above and still succeed in making something beautiful. We have experienced this many times. What happens when you get all of those other elements right too? Something we have only felt once before.“

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Ein in seiner Gänze durch und durch gelungenes Album, das auch so gehört werden sollte.

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    Neue Platten: Tindersticks – „The Something Rain“ – ByteFM Magazin » Nachrichten
    Feb 21, 2012 Reply

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  2. posted by
    Neue Platten: Tindersticks – „The Something Rain“ – ByteFM Magazin | Hasen Chat Unterhaltung
    Feb 21, 2012 Reply

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