Anohni – „Hopelessness“ (Album der Woche)

Cover des Albums Hopelessness von AnohniAnohni – „Hopelessness“ (Rough Trade)

Veröffentlichung: 6. Mai 2016
Web: anohni.com
Label: Rough Trade

In der Popmusik sind Stimme und Texte nicht nur eine von vielen Zutaten, sie machen den entscheidenden Teil aus. Sie sind der Kern der Performance, die Schnittstelle, an der sich Band und die zuhörende Masse treffen. Anohni wusste bereits mit ihrem Debüt „Antony And The Johnsons“ im Jahr 1998 an den empfindlichen Stellen zu berühren. Damals noch im Kammerpop angesiedelt, schrieb Anohni butterweiche und zugleich schmerzende Balladen. Zum Beispiel „Cripple And The Starfish“, in der sie von Gewalt in einem Liebesverhältnis singt, und ihre Stimme, nicht nur im Text, sondern vor allem im Ausdruck transportiert, wie verletzende Erfahrungen einen auch stärken können. Die Texte von Anohni handelten, als die Künstlerin noch als Antony Hegarty auftrat, meist vom Persönlichen, vom Innenleben.

Vor sechs Jahren erschien das letzte Album von Antony And The Johnsons. In der Zwischenzeit begab sich Anohni auf die Suche nach neuen Ausdrucksformen und probierte die musikalischen Rahmen anderer aus. Sie kollaborierte mit Künstlerinnen und Künstlern wie Björk, CocoRosie, Hudson Mohawke und Oneohtrix Point Never. Letztere beiden haben schließlich den Sound von „Hopelessness“ als Koproduzenten mitbestimmt. Entsprechend wurde sich für das neue Album von Streichern und Piano verabschiedet. Elektronische Produktionen nehmen deren Stelle ein.

Synthesizer breiten sich unter dem hohen Gesang Anohnis aus, ergießen sich in Kaskaden, brechen aus dem Hellen in verzerrte Formen. Die Bässe knarzen, folgen keiner geraden Linie, und finden in diesem Move ihre Wucht. Tonhöhen werden überdehnt, dann wieder dumpf zusammengezogen. Synthetische Sounds blitzen, flattern, flirren auf. Aber keine Sorge, wir werden nicht auf Irrwegen gelassen. Diese komplexe Klangkulisse wird auf „Hopelessness“ in eingängige Formate gebracht, es handelt sich hierbei schließlich um ein Dance-Album. Jedoch um eins mit scharfen Zähnen.

Mit emotionaler, mal anklangender, mal salbungsvoller Stimme singt Anohni über politische Themen, sie singt von Gefahren wie Überwachung, Dronenkrieg, globaler Erwärmung. Sie packt ihren Frust über den Zustand der Welt in einfache Worte. Wenige Verse reichen aus, um den Ärger zu erahnen, der im Verborgenen brodelt.
In diesem Sinne klingt „Hopelessness“ wie die Stimmung auf den wohlhabenderen Teilen der Welt – oberflächlich alles in Ordnung, in Dur und mit guten Refrains lässt sich der Alltag ertragen. Aber die Oberfläche bröckelt, die Rhythmen werden komplexer, das Ganze droht auseinanderzubrechen. „Hopelessness“ hält es auf schmalem Grat zusammen, Kunststück geglückt.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Anohni“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Unser Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Raumfeld.

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