Ghostpoet – „Dark Days + Canapés“ (Album der Woche)

Cover des Albums Dark Days + Canapés von GhostpoetGhostpoet – „Dark Days + Canapés“ (Play It Again Sam)

Vor der Düsternis hat sich Ghostpoet nie gescheut. Seine allererste Single „Cash And Carry Me Home“ kündete von den müden Knochen, den Schmerzen in Kopf und Herz und all dem, was man in einer durchsoffenen Nacht so verlieren kann – harte Worte umschmeichelt von sanft pulsierendem Dubstep. Das war 2011. Mit „Dark Days + Canapés“ erscheint nun das vierte Album von dem Rapper aus London und die Balance zwischen kantigen Texten und hypnotisierend-kratzigen Arrangements stimmt auch hier wieder.

Obaro Ejimiwe, wie Ghostpoet mit bürgerlichem Namen heißt, kann seit einigen Jahren von seiner Musik leben. Damit ist für ihn ein Traum wahr geworden. Doch das in seinen Songs anzupreisen, ist ihm fremd. Prahlerei? Fehlanzeige. Die schiefen Momente, die Schattenseiten unseres modernen Lebens liefern den Stoff für die Stücke von Ghostpoet. Mit erhobenem Zeigefinger textet er nicht, seine Kritik findet man häufig zwischen den Zeilen.

Deutliche Worte findet Ghostpoet aber auch. Zum Beispiel im „Immigrant Boogie“, der sich aus einer düster mäandernden Post-Punk-Melodie speist. „I was dreaming of a better life / With my two kids and my lovely wife / But I can’t swim and water’s in my lungs / So here it ends, well, life has just begun“ – mit wenigen Worten gibt Ejimiwe der grässlichen Realität von Flucht und Vertreibung ein schmerzlich persönliches Gesicht.

Mit „Freakshow“ verteilt Ghostpoet trockene Seitenhiebe auf die Macht der Gewohnheit, mit der wir unser Leben von Produkten vereinnahmen lassen, sei es Instagram oder Tinder („so I swiped left and figured it out, it’s a freakshow“). Auch hier geben in Moll heulende Gitarren den Ton an. An anderen Stellen von „Dark Days + Canapés“ zeigt sich wiederum die Verwurzelung von Ghostpoet im aufmüpfig-betörenden Sound von Trip-Hop. Eine Koryphäe des Genres, Daddy G von Massive Attack, gastiert auch auf dem Blues-Stück „Woe Is Meee“.

Was Ghostpoet auf seinem vierten Album perfektioniert, ist das Changieren zwischen Spannung und Anspannung. Mit festem Schritt und einigen Sprenkeln Hoffnung macht er „Dark Days + Canapés“ zu einem faszinierenden Album.

Veröffentlichung: 18. August 2017
Label: Play It Again Sam

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