Presseschau 06.10.: Der Bart machts…

Fiona MacGinty-O’Neill | Flickr | (CC BY 2.0)

Beim heutigen Blick in die Presse dominiert der Tod von Steve Jobs ganz klar die Berichterstattung. Der Apple-Mitbegründer und charismatische Konzernchef erlag gestern im Alter von 56 Jahren einem jahrelangen Krebsleiden. Auch wenn die Vorgehensweise des Konzerns – und damit die Rolle von Steve Jobs als Verantwortungsträger – nicht unumstritten ist, hat er vermutlich wie kaum ein anderer unsere Hörgewohnheiten von Musik beeinflusst und verändert. Die Wellen, die diese Meldung schlägt, gehen durch alle Kanäle und haben auch die Musikpresse erreicht. So verlinkt der Rolling Stone auf Jobs Präsentationen der bekanntesten Apple Produkte oder Pitchfork auf eine Email Adresse, an die Interessierte ihre Gedanken und Beileidsbekundungen schicken können.

Im Schatten dieser großen Meldung geht der Todesfall des schottischen Folk-Musikers Bert Jansch beinahe unter. Er verstarb ebenfalls gestern 67-jährig in London – so gelesen in der Zeit. Jansch zählt zu den wichtigsten Vertretern der britischen Folk-Musik-Bewegung der 1960er und 70er Jahre. Auch wenn er als Solokünstler bzw. mit seiner Band Pentangle nicht den ganz großen kommerziellen Erfolg schaffte, galt er für viele Musiker als enorm einflussreich. Unter seinen Bewunderern finden sich Legenden wie Neil Young, aber auch jüngere Künstler wie Beth Orton oder Devendra Banhart. Mit letzterem hatte er auch auf seinem letzten Album „Black Swan“ zusammengearbeitet. Paul Simon wird dazu bei NPR zitiert: „He was close to an English version of Dylan, the sort of wild rebel in his lifestyle. In his playing he was just an extraordinary player and blues player“.

Mit Stilfragen und ihrer Bedeutung in der Popmusik hat sich ByteFM Kollege Klaus Walter auseinandergesetzt. In einem Artikel in der taz hat er den neuen Bildband über die Beatles „Fab Fashion“ kritisch unter die Lupe genommen. Auf 240 Seiten hat Paulo Hewitt die „Fab Four“ als Modetrendsetter portraitiert und mit dem einen oder anderen Schuss Gossip angereichert. Am Ende des Buches angekommen, stellt Klaus dann fest, dass die Beatles rechtzeitig aufgehört haben, „bevor hässliche Fotos die Runde machen und öde Alben“.

Beim letzten Auftritt der Beatles auf dem Dach der Londoner Savile Row, war Paul McCartneys Gesicht schon in einen Vollbart gehüllt. Das hat Klaus vermutlich dazu inspiriert, sich an anderer Stelle mit der Rückkehr der Vollbartbands zu beschäftigen. Dabei kann er einer scheinbaren Politisierung, die mit diesem Trend einhergehen soll, nicht viel abgewinnen. Ausgehend vom wuchernden Gesichtshaar geht er im Spiegel Online der von verschiedenen Akteuren vorangetriebenen Musealisierung des Rock nach und kommt zu dem Schluss, dass Bart nicht gleich Bart ist. Denn nicht alle Bart tragenden Künstler beider Geschlechter lassen sich in einen Kanon dieser unreflektierten Retromania einordnen.

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