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School Of Rock Julie Driscoll / Julie Tippetts 1963-2022

ByteFM: School Of Rock vom 03.12.2022

Ausgabe vom 03.12.2022: Julie Driscoll / Julie Tippetts 1963-2022

Für die Magazine Elle und Vogue ist sie der „Typ 1968“ und wird in demselben Jahr von der Zeitschrift  Melody Maker zur „größten Hoffnung der internationalen Popmusik“ hochgejazzt, um kurze Zeit später vom Radar der kommerziellen Musikverwertung zu verschwinden, zugunsten einer Selbstfindung in freier Musik und Privatleben.
Bereits als Teenager steht Julie Driscoll auf der Bühne und sammelt erste Erfahrungen als Vokalistin. Im anschwingenden London der frühen 1960er trifff sie auf den Rock-Impressario Georgio Gomelsky, der sie mit dem Keyboarder Brian Auger zusammenbringt. Driscoll und Auger werden elementarer Bestandteil und Erfolgsgeschichte der Psychedelic-Rock-Szene Londons an der Schnittstelle zu Rhythm & Blues und Jazz, Driscoll wird zum hippen Teen-Idol inklusive Frisuren-Trendsetting. Doch ihr schwebt etwas anderes als eine Pop-Karriere vor.

1970 lernt Driscoll den britischen Jazz-Pianisten Keith Tippett kennen, der die Musik ihres Solo-Albums „1969“ arrangiert, das musikalisch nochmal ambitionierter aufritt als die späten Releases mit Auger, auf denen Drisoll ihre Klangpalette bereits deutlich erweitert und sich als Songschreiberin emanzipiert. Sie heiratet Tippett, der sie musikalisch neu inspiriert. Den eigentlichen Nachnamen ihres Mannes annehmend wendet sie sich nun als Julie Tippetts der Free- und Improvisationsszene zu, die in England auf der experimentellen Seite von Bands wie King Crimson und Soft Machine blüht.
Gemeinsam komponiert das Ehepaar Tippett(s) das monunmentale Werk „Septober Energy“, das 1971 unter dem Namen Centipede veröffentlicht wird: Bis zu 50 Musiker aus der ersten Liga der Prog-Rock- und Jazz-Szene Englands führen ein spektakuläres Werk auf. Eine pan-stilistische Big Band, die wie ein kleines Ensemble spontan agieren soll - das in vier 20-minütige Suiten zusammengefasste Session-Material spaltet bis heute Kritik und Publikum. 1975 erscheint mit „Sunset Glow“ ein gefeiertes Solo-Album, das sie für die zeitgenössische Kritik auf Augenhöhe mit Art-Rock-Legende Robert Wyatt zeigt.

Von der Pop-Welt weitgehend unbeachtet singt, spielt, improvisiert und komponiert sich Tippett in den folgenden Jahrzehnten in verschiedenen Konstellationen oder auch als Solistin durch die Welt der Avantgarde-Musikszene mit gelegentlichen Veröffentlichungen klassischerer Machart. So ist sie z. B. auch auf der Debütsingle und dem späteren „Fire-In-The-Mountain“-Album der englischen 1980er Jazz-Dance-Band Working Week zu hören.
Anfang der 2000er beginnt Tippetts eine bis heute andauernde Zusammenarbeit mit dem Multi-Instrumentalisten Martin Archer, mit dem sie eine zeitgenössische, genre-offene Version ihrer Musik zwischen Jazz und Elektronik realisiert.

Im Juni 2022 hat Julie Tippetts ihren 75. Geburtstag gefeiert, eine gute Gelegenheit ihr diese School Of Rock zu widmen.
Gastauftritte u. a. von Rod Stewart, Robert Fripp und Carla Bley.

Foto: Sean M. Kelly

Kommentare

ChristianTjaben vor einer Woche
gern geschehen, jakob - danke fürs zuhören und hoffentlich viel spass mit den 2023er school of rock sendungen!

jobbelund vor einem Monat
Danke. War schoen das Wiederhoeren mit Julie Tippetts. Nette Auswahl an Songs. Gruss Jakob
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Playlist

1.  Julie Tippetts & Martin Archer / Snake Bite
Serpentine / Discus
2.  Julie Driscoll With The Harold Geller Group / Take Me By The Hand
Take Me By The Hand (Single) / Columbia
3.  Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity / Save Me – Parts 1&2
The Best Of Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity / Polydor
4.  Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity / This Wheel's On Fire
The Best Of Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity / Polydor
5.  Julie Driscoll, Brian Auger & The Trinity / Czechoslovakia
Streetnoise / Polydor
6.  Julie Driscoll / Leaving It All Behind
1969 / Polydor
7.  Centipede / Septober Energy, Part 4 (Unite For Every Nation)
Septober Energy / RCA/ Neon
8.  Julie Tippetts / Oceans And Sky (And Questions Why)
Sunset Glow (Polydor 1975) / Utopia
9.  Carla Bley / Caucasian Bird Riffles
Tropic Appetites / ECM
10.  Maggie Nicols & Julie Tippetts / Riverside
Sweet And S'Ours / FMP
11.  Julie Tippetts & Martin Archer / Illusion (Circle Of Whispers)
Illusion / Discus