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Was ist Musik Komische Käuze V: Van Dyke Parks

ByteFM: Was ist Musik vom 24.06.2012

Ausgabe vom 24.06.2012: Komische Käuze V: Van Dyke Parks

Komische Käuze IV: Van Dyke Parks

Neue Singles, alte Alben neu – Eine Hommage

Spiralen der Erinnerung: Van Dyke Parks: Discover America - Intro 2004

Jedem Leben ein kleines Lied hinzufügen, das ist fingerschnippend gut.
Der Satz ist nicht von ihm und auf deutsch klingt er blöd. Dennoch könnte die letzte Zeile aus Allen Toussaints ”Occapella” eines Tages die Grabinschrift des Van Dyke Parks abgeben, so wie dereinst auf Brian Wilsons Grab stehen mag: ”Add some music to your day”. Vielleicht haben die Beach Boys die Idee mit dem ”hinzufügen von Musik” von ihrem Freund Parks, so wie Borneo & Sporenburg sich durch Wilson ermuntert fühlten zu ”This is music added to your day”. In der kindlichen Welt des Brian Wilson trug Parks zu den besten Songs der Beach Boys bei. Im Abstand von 30 Jahren war er an zwei hinreißenden Debütalben beteiligt war, jenem von Rufus Wainwright, als die Welt von queer schon eine Idee hatte, und diesem von Randy Newman, 1968, als die Welt von queer noch keine Idee hatte. Das auf neworleans´sche Art funky-fingerschnippende ”Occapella” ist eins von 16 Schaustücken auf ”Discover America”. Parks war 30 als er das Album aufnahm, neben queer und postkolonial kannte man 1972 auch das Wort Weltmusik nicht, schon gar nicht die Verbrechen, die im Namen dieses Wortes täglich verübt werden. Gleichwohl hat der in Mississippi geborene Kalifornier Van Dyke Parks mit ”Discover America” die beste Weltmusikplatte gemacht, die nie als Weltmusik verkauft wird.
”Discover America” entdeckt american music. Parks betrachtet Amerika mit den Augen eines Bürgers der Vereinigten Staaten von Amerika, und mit dem Blick von Amerikanern, die keine US-Bürger sind und denen es auch deswegen schlechter geht. Auf dem Cover stehen zwei Reisebusse, einer fährt nach Trinidad, der andere nach Hollywood. Wir hören eine Hollywood-Version von Trinidad, wie sie europäische Juden auf der Flucht vor den Nazis im Hollywood der 40er Jahre hätten erfinden können: ein hybrides Flucht-Paradies, eine Trinidad & Tobago-Wunschmaschine. Getrieben von einem mimetisch-phantasmatischen Begehren beamt sich Parks an diesen hyperrealen Ort, indem er zauberhafte Steelbandmusic mit den Croonern seiner Jugend verschleift und dazu antiimperialistische Texte formuliert (möglicherweise ohne es zu wissen). ”Come let me go to Tobago, that paradise found by Robinson Crusoe”, eine schöne Parabel auf Columbus, der Amerika ja auch aus Versehen entdeckt hatte, mit unerfreulichen Folgen für diejenigen Amerikaner, die vor ihm dort lebten. Parks führt uns in Teile Amerikas, die nicht zu den USA gehören, die aber im politischen Kalkül der USA eine Rolle spielen. Sie könnten auch Grenada heissen oder Chile. 30 Jahre vor den wirren europäischen Debatten um ”Antiamerikanismus” formuliert ”Discover America” die dialektische Verschränkung von Liebe zu Amerika und Kritik an der Politik der USA, auf eine Minute verdichtet im letzten Stück der Platte: ”Stars & Stripes forever”. John Philip Sousas Marsch aufs Sternenbanner wird von einer Steel Band so gespielt, dass die Marschierenden aus der Reihe tanzen. Nach den Residents, die Sousa, dem King Of Marches, eine Folge ihrer American Composer Series widmeten, nahmen zuletzt auch Matmos den Stars & Stripes-Marsch auf ihr Album ”The Civil War”. Überhaupt kann man ”Civil war” als späten Nachkommen von ”Discover America” lesen & hören, nicht nur unter dem Aspekt der (bei Matmos expliziten) Queerness. Was ist queer an ”Discover America”? Parks singt je ein (Liebes)lied für Bing Crosby, Jack Palance und G-Man Hoover. Wie Robert Mitchum auf seiner sagenhaften Calypso-Platte rät ein Vater seinem Sohn zur Vorsicht bei der Wahl der Ehefrau - gerade so als bräuchte es die musikalische Verkleidung, um die Wahrheit auszusprechen. Zuverlässig wie Sylvester, Beach- & Pet Shop Boys weckt ”Discover America” essentialistische, rockistische und homophobe Reflexe. Vom todschicken Dandy-Posing auf dem Cover gar nicht zu reden.

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Playlist

1.  Van Dyke Parks / Black Gold
Black Gold / Bananastan
2.  Van Dyke Parks & Esso Trinidad Steel Band / Aquarium
Black Gold / Bananastan
3.  Esso Trinidad Steel Band / I Want You Back
Esso Trinidad Steel Band / Bananastan
4.  Van Dyke Parks / Vine Street
Song Cycle / Bella Union
5.  Van Dyke Parks / Missin´ Mississipi
Missin´ Mississipi / Bananastan
6.  Van Dyke Parks / Bing Crosby
Discover America / Bella Union
7.  Van Dyke Parks / Ode To Tobago
Discover America / Bella Union
8.  Van Dyke Parks / Stars And Stripes Forever
Discover America / Bella Union
9.  Willie Dickson & The Playboys / Licking Stick
West Indies Funk / Trans Air
10.  Van Dyke Parks / Dreaming Of Paris
Dreaming Of Paris / Bananastan
11.  Van Dyke Parks & Brian Wilson / Sail away
Orange Crate Art / Warner
12.  The Beach Boys / Cabinessence
Smile / EMI
13.  West Coast Pop Art Experimental Band / High Coin
Transparent Day / Edsel
14.  Dino Martin / Sitting Here In Limbo
Arrangements Volume 1 / Bananastan
15.  Lowell George / Cheek To Cheek
Thanks I´ll Eat It Here / Warner
16.  Van Dyke Parks / Sailin´ shoes
Discover America / Bella Union
17.  Inara George With Van Dyke Parks / Family Tree
Inara George - With Van Dyke Parks / Everloving
18.  Rufus Wainwright / Foolish Love
Rufus Wainwright / Geffen
19.  Van Dyke Parks / City On The Hill
Clang Of The Yankee Reaper / Bella Union
20.  Van Dyke Parks / Cannon In D
Clang Of The Yankee Reaper / Bella Union
21.  Van Dyke Parks / Van Dyke Parks
Song Cycle / Bella Union
22.  Van Dyke Parks / Public Domain
Song Cycle / Bella Union
23.  Van Dyke Parks / Wall Street
Wall Street / Bananastan
24.  Van Dyke Parks / Money Is King
Wall Street / Bananastan
25.  Mighty Sparrow / The Slave
Sparromania – Wit Wisdom And Soul From The King Of Calypso / Strut
26.  Van Dyke Parks / Hold Back Time
Hold Back Time / Bananastan
27.  Van Dyke Parks / Amazing Graces
Hold Back Time / Bananastan