Melt Yourself Down – „Last Evenings On Earth“ (Rezension)

Von Lukas Schepers, 13. Mai 2016

Cover des Albums Last Evenings On Earth von Melt Yourself DownMelt Yourself Down – „Last Evenings On Earth“ (The Leaf Label)

6,4

Das neue Album der Londoner Band Melt Yourself Down klingt wie der Soundtrack für eine Flucht vor der Apokalypse. „Last Evenings On Earth“ ist insofern ein passender Titel für diese zweite Platte der experimentierfreudigen Gruppe, die der Saxofonist Pete Wareham 2012, nach dem Ende seiner früheren Band Acoustic Ladyland, gründete.

Bei Melt Yourself Down treffen psychedelischer Jazz auf nordafrikanische Beats und eine Priese Punk. „Last Evenings On Earth“ wirkt gesetzter als das Debütalbum vor drei Jahren, ist aber durchaus keine ruhige Platte.

Wie der Vorgänger, erscheint „Last Evenings On Earth“ beim Leaf Label in Leeds, wo seit Mitte der 90er-Jahre zunächst vor allem elektronische Instrumental-Musik veröffentlicht wurde – unter anderem die ersten Releases von Dan Snaith (Caribou), damals noch unter dem Namen Manitoba. Seit einiger Zeit stellt sich Leaf musikalisch etwas breiter auf und hat z.B. die Bands The Comet Is Coming und Polar Bear unter Vertrag. Auch bei letzteren spielt Pete Wareham Saxofon.

Mit „Dot To Dot“ beginnt die Reise auf „Last Evenings On Earth“ musikalisch in Nordafrika. Die verschnörkelten Töne der zwei Saxofonisten ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Die Stimme von Kushal Gaya steht neben zwei Perkussionisten und elektronischen Sounds. „Jump The Fire“ könnte Soundtrack für eine Schlacht im nächsten Ridley-Scott-Film werden. Bei „The God Of You“ ist spürbar, dass Schlagzeuger Tom Skinner früher für Mulatu Astatke spielte, dem Vater des Ethiojazz. Die Stimme der zierlichen Sängerin Ruth Goller tritt ohne Gitarren-Unterstützung gegen zwei Trommler und verzwickte Saxofon-Orgien an. In „Listen Out“ steht die Stimme von Kushal Gaya neben einer funky Bassline und erinnert dabei ein bisschen an Isaac Brock von Modest Mouse.

Für anderthalb Minuten fällt das Album nach halber Spielzeit völlig aus dem musikalischen Rahmen, wenn sich Melt Yourself Down in eine Anarcho-Punkband verwandeln – mit Stakkato-Bass und viel Gebrüll.

In „Bharat Mata“ reisen die Londoner musikalisch noch einmal nach Indien, bevor der aufregende Trip von „Last Evenings On Earth“ mit afrikanischen Rhythmen und einem Text, den Kushal Gaya und Ruth Goller uns in der kreolischen Sprache Morisyen entgegenrufen, zu Ende geht.

Label: The Leaf Label

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