Neue Alben in dieser Woche (KW 45) – eine Auswahl

Saroos – „See Me Not“
VÖ: 09.11.2010
Web: myspace
Label: Anticon
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Der Titel des zweiten Saroos-Albums kann auch als Aufforderung lesen: See me not – just listen. Also machen wir das doch: Schließen wir die Augen und hören. So kommt man eh viel besser durch das dichte Gestrüpp, das die beiden Münchener Florian Zimmer (Iso 68 und ehemals Lali Puna) und Christoph Brandner (Lali Puna, Console) da erschaffen haben. Für ihr neues Album sind Saroos sogar auf ein Trio gewachsen: Max Punktezahl von The Notwist gesellte sich dazu, und mit Odd Nosdam vom Anticon Label konnte ein bekannter Name als Produzent gewonnen werden. Gestrüpp ist aber nicht ganz der richtige Begriff, das klingt so spröde und widerspenstig, das ist „See Me Not“ gar nicht. Vielleicht zu Beginn, wo man keine Ahnung hat, was das Album eigentlich will. Aber dann beginnt das Gestrüpp aus Drums, Bass, Elektronika und so manch anderen Firlefanz sich wie von selbst zu lösen, und zu Tage treten wunderbar Melodien. Ein gelassenes, meist ruhiges und dennoch ganz schön groovendes Album.

Miles Benjamin Anthony Robinson – „Summer of Fear“
VÖ: 12.11.2010
Web: myspace
Label: Saddle Creek
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Vor zwei Jahren veröffentlichte Miles Benjamin Anthony Robinson sein selbstbetiteltes Debüt. Ein dramatisches Singer-Songwriter-Album, das Dank Robinsons zynischen Texten, seiner kratzigen Art zu singen und einer Lo-Fi-Ästhetik nie kitschig wurde. Dieses Album spielt Robinson mittlerweile als Demo herunter, das nie hätte veröffentlicht werden sollen. Fragt sich nur, wieso er das tut. Sein neues Album ist hörbar besser produziert, eine Huldigung an Bruce Springsteen, Bob Dylan und Tom Petty. Sicher keine schlechten Vorbilder, doch es fehlt die eigene Note. Man wünscht sich einfach etwas mehr Ecken und Kanten und weniger kalkulierte große Momente. Und statt des trockenen Humors von Miles Benjamin Anthony Robinson hört man Texte über Herzschmerz, Angst und Ungewissheit, die oft kindisch und selbstgerecht wirken. Man spürt jedoch an einigen Stellen, dass Robinson in der dazu Lage ist, ein ähnlich starkes Album wie sein Debüt/Demo aufzunehmen. Diese Ansätze bleiben auf „Summer of Fear“ aber leider meistens in überproduzierten Soundschichten stecken.

Moyen Age – „Patience And Trust“
VÖ: 12.11.2010
Web: myspace
Label: Peacific
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Endlich mal wieder ein Konzeptalbum, das die ursprüngliche Bedeutung eines Longplayers huldigt. In Zeiten, in der die bloße Ansammlung von einzelnen Tracks förmlich zur Gebrauchsmusik avanciert, erscheint “Patience and Trust“ als Befreiungsschlag. Irgendwo zwischen den Spannungsfeldern Distanz und Nähe, verspieltem Kammerpop und orchestralen Verdichtung hat sich das neue Werk angesiedelt. Dabei verzichtet das Hamburger Duo auf große Lautstärke. Ruhig und minimalistisch plätschern die Songs auf “Patience and Trust“ dahin – ein Songwriteralbum, mit viel Akkustikgitarre, Besenschlagzeug, Streicher, Klavier und allem was sich der nicht elektronischen Welt zuordnen lässt. The Moyen Age machen die „Midlife Crisis“ zu ihrem Konzept. Wahrlich bewegt sich die Tracklist in eine gewisse Ratlosigkeit. Das planlose Suchen ohne Ziel spiegeln die Songs in ihrer düsteren Stimmung wider. So treibt das Album in Kings Of Convenience-Manier vor sich hin, dessen Songs zwar atmen, aber auch eine gewisse Zeit zur Entfaltung brauchen.

The Machine – „Redhead“
VÖ: 19.11.2010
Web: homepage
Label: Rekids
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The Machine ist nicht die von Florence. The Machine ist Matt Edwards, bis jetzt unter dem Namen Radio Slave vor allem als House DJ und Produzent bekannt. Nun feiert er unter neuem Namen sein Debut. Das Album „Redhead“ ist ein multimediales Projekt aus Musik, Kunst und Film. Der australische Künstler Misha Hollenbach hat zu jedem Track ein Bild gestaltet und ein Kurzfilm entstand, inspiriert vom Sound von The Machine. „Redhead“ besteht aus sechs Stücken, die alle sehr unterschiedliche Längen (6 Minuten der Kürzeste, 16 der Längste) haben und sich mitsamt wunderbar Zeit zur Entwicklung lassen. Atmosphärische Kollagen sind das, in denen viele eklektisch zusammengesammelte globale Sounds zu hören sind. Meeresrauschen und Bootsknarzen im sphärischen „Continental Drift“, gregorianische Choräle, afrikanische Gesänge, Rasseln und eine Opernsängerin im Housetrack „Opening Ceremony (Fuse)“ oder wabernde Industrialsounds, die in „Spell Bound“ mit einem Jazzschlagzeug eine Endzeitstimmung aufkommen lassen.
Ein Album, dass einen mit auf eine Reise durch Raum und Zeit nimmt.

V.A. – „Black Hole – Jon Savage presents Californian Punk 1977-1980“
VÖ: 12.11.2010

Label: Domino Records
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Jon Savage war bisher vor allem für sein Expertenwissen in Sachen britischer Musikhistorie bekannt, aber auch auf dem amerikanischen Sektor kennt der Journalist und Autor sich gut aus. Seine Compilation ruft eine Zeit in Erinnerung, in der Punk die amerikanische Westküste eroberte – nur interessierte es damals kaum jemanden. „Black Hole“ – in einem schwarzen Loch befanden Bands wie Dead Kennedys, The Dils oder Crime damals. Sehr zu unrecht, findet Savage: „Ich erlebte diese kreative Subkultur in den USA mit und war sehr enttäuscht, dass sie fast keine Aufmerksamkeit von den Medien bekam. Dabei war die Musik der amerikanischen Bands mit ihrem schwarzen Humor und der derben Lebendigkeit mindestens so gut wie die der englischen Punkbewegung – und oft sogar besser.“ Für Fans der schnelleren Gangart eigentlich ein Muss, zumindest aber ein Tipp.

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