OutKast: Debüt „Southernplayalisticadillacmuzik“ wird 25 Jahre alt

Cover des Albums „Southernplayalisticadillacmuzik“ von OutKast

OutKast – „Southernplayalisticadillacmuzik“ (LaFace)

Lange Zeit gab es für Fans des US-amerikanischen HipHop nur zwei Optionen: Ostküste oder Westküste. Klar gab es auch andere Orte, an denen junge AmerikanerInnen Rap produzierten, doch der Mainstream war an diesen zwei Polen verortet. Die brennenden Fragen waren: Los Angeles oder New York? N.W.A. oder Wu-Tang? 2Pac oder Biggie?

Ein weitere Himmelsrichtung kam 1994 dazu – dem Jahr, in dem zwei Teenager aus Atlanta, Georgia ihr griffig betiteltes Debüt „Southernplayalisticadillacmuzik“ veröffentlichten. Plötzlich begann es, im Süden zu brodeln. Das Album, dass den Southern HipHop endgültig auf die Landkarte brachte, wird am 26. April 2019 25 Jahre alt.

Als André 3000 und Big Boi sich 1992 in der Schule kennenlernten, hießen sie noch André Lauren Benjamin und Antwan André Patton. Als sie 1994 gemeinsam mit dem Produzententeam Organized Noize begannen, ihr Debütalbum aufzunehmen, waren sie gerade einmal 18 Jahre alt. Sie waren nicht die ersten namhaften Rapper aus den Südstaaten – Acts wie Arrested Development ebneten wenige Jahre vorher den Weg – doch die 17 Tracks, die André 3000 und Big Boi hier ausbrüteten, waren zu kreativ und zu dringlich, um unter dem Radar zu verschwinden.

Es brodelt im Süden

Was einen zuerst an „Southernplayalisticadillacmuzik“ überrumpelt, ist die schiere Musikalität, die alle Beteiligten hier an den Tag legen. Den beiden MCs merkt man ihre Unerfahrenheit zu keiner Sekunde an. Ihre pfeilschnellen Flows sind vom ersten Atmer an klar definiert und unaufhaltbar. Das Einzige, was im Vergleich zu späteren OutKast-Platten auffällt, ist ihre Dynamik: Im Verlauf ihrer Karriere sollten André 3000 und Big Boi ihre Charaktere in verschiedene Richtungen entwickeln – der sensible Poet und der harte Gangster – doch auf ihrem Debüt sind sie auf Augenhöhe.

Die Beats, die Organized Noize diesem dynamischen Duo auf die Leiber schneiderten, standen dieser Energie in nichts nach. Butterweiche Funk-Vibes treffen auf die tiefe Bass-Musik, für die die US-amerikanischen Südstaaten eigentlich bekannt waren. Neben dem üblichen Sampling und Scratching zählten Organized Noize auf Live-Instrumentation – besonders gut zu hören auf dem raplosen „Funky Ride“, das auch von Funkadelic hätte stammen können – und in dem André 3000 zum ersten Mal seine Crooner-Skills ausprobieren konnte.

Doch was „Southernplayalisticadillacmuzik“ von einem sehr guten HipHop-Album zu einem Phänomen machte, war sein Charakter. Es ist ein Album über Identität – erzählt aus der Perspektive von Underdogs. Big Boi und André 3000 rappten über ihre Heimatstadt mit dem Selbstbewusstsein wie es Dr. Dre über das weitaus glamourösere Los Angeles tat – doch mit mehr Liebe zum Detail. „Southernplayalisticadillacmuzik“ ist ein atmendes Album, das in 65 Minuten eine lebendige Welt konstruiert. Die Interludes und Skits sind kein schlichtes Beiwerk, sie sind essentiell für die Atmosphäre. Nach dem abschließenden Fadeout von „Player‘s Bill“ hat man tatsächlich das Gefühl, gerade eine Stunde im Herzen Atlantas verbracht zu haben.

Heute ist die Ost-vs.-West-Narrative aus dem HipHop so gut wie verschwunden. Stattdessen gilt Atlanta als neue US-Hauptstadt des HipHop. Und einen entscheidenden Beitrag dazu leistete „Southernplayalisticadillacmuzik“.

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