Robert Forster – „Songs To Play“ (Rezension)

Cover des Albums Songs To Play von Robert ForsterRobert Forster – „Songs To Play“ (Tapete)

8,0

Robert Forster überlässt nichts dem Zufall, könnte man meinen. Der Mann versteht sein Handwerk. Ob es um den Ausbruch großer Gefühle in sonst zurückhaltenden Instrumentierungen geht oder um eine geschickte Referenz, ein Wortspiel, das sitzt. Der Titel seines sechsten Soloalbums zum Beispiel ist sicher nicht zufällig ein kleines Nicken in Richtung Leonard Cohen und seine „Songs-Of…“-Alben.

Der Vorstellung bedarf es eigentlich nicht mehr, aber in Kürze: Zusammen mit Grant McLennan spielte Robert Forster über Jahrzehnte in der sehr einflussreichen australischen Band The Go-Betweens. Als den beiden in den 90er-Jahren die Lust auf die gemeinsame Musik verging, begannen beide, Soloalben zu veröffentlichen. Dann im Jahr 2000 endlich wieder eine The-Go-Betweens-Platte. Zwei weitere folgten und es hätten viele mehr folgen können, doch Grant McLennan starb überraschend im Alter von 48 Jahren im Mai 2006.

Zwei Jahre später brachte Robert Forster „The Evangelist“ heraus – sein fünftes Soloalbum, das von vielen Fans und Kritikern/-innen als bestes seiner eigenen Alben angesehen wird. Darauf auch drei Lieder, die aus der Feder McLennans stammen. Ein stilvoller Abschied eines sehr wichtigen Freundes. Seitdem sind sieben Jahre vergangen, Forster schrieb in der Zeit eine Musikkolumne, produzierte Alben, arbeitete an einer Autobiografie, stellte ein Boxset der Go-Betweens zusammen. Und dann fügte er zehn „Songs To Play“ zusammen.

Die zehn Stücke haben die Brillanz, die man von Robert Forsters Kompositionen kennt. Der Gesang, oder eher das gesprochene Wort, die simple, raffinierte Poesie in Forsters gelassenem Bariton stehen im Vordergrund. Seine Gitarre kennt den Rock’n’Roll, aber bedient sich lieber Melodien, die einen Gang zurückschalten. Melodien, die ohne Kitsch nach viel Gefühl klingen. Manchmal melancholisch, manchmal bestimmt, immer ausgeglichen.

Das Motiv des Regens, das Robert Forster so mag, hat sich wieder eingeschlichen. „Turn On The Rain“ ist eines der berührendsten Stücke auf „Songs To Play“. Forster singt „Don’t stare at the heavens“ und klingt, als würde er dabei den Mond fixieren. Dramatik gewinnt das Stück mit dem altbekannten Kick,-Kick-Kick,-Snare-Rhythmus (siehe „Be My Baby“) und der Violine von Forsters Frau Karin Bäumler, die viele Songs auf „Songs To Play“ bereichert.

Im selbstsicheren „I Love Myself And I Always Have“ borgen sich Instrumente und Backgroundgesang den Spirit Lou Reeds anno „Transformer“. Auch der Opener „Learn To Burn“ besitzt mit der kurzen, repetitiven Gitarre eine trockene Rockigkeit. Die hinreißende, kammerpoppige Melodie hinter „Let Me Imagine You“ hätte niemand anderes als Forster schreiben können. Ebenso charakteristisch für ihn klingt „And I Knew“, in dem der Musiker über ein gesetzt waltzendes Arrangement sanft predigt.

Nach „The Evangelist“ scheint Robert Forster mit „Songs To Play“ einen Gang zurückzuschalten, der Qualität seiner Stücke nimmt das aber keinen Schaden. Er selbst meint, er wäre mittlerweile einfach kein Singer-Songwriter mehr. Doch ganz im Gegenteil: Er ist genau das. Robert Forster schreibt immer noch wunderbar simple und dabei bewegende Stücke.

Label: Tapete

Robert Forster live, präsentiert von ByteFM:

10.12.15 Köln – Gebäude 9
11.12.15 Berlin – Monarch
12.12.15 Hamburg – Knust
14.12.15 Frankfurt am Main – Zoom
15.12.15 Erlangen – E-Werk
16.12.15 St. Gallen (CH) – Palace
17.12.15 Schorndorf – Manufaktur
19.12.15 Regensburg – Deggingerhaus
20.12.15 Wien (A) – Theater Akzent

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Jens Friebe – „Wir sind schön“ (Rezension)
    Kritisch ohne destruktiv zu sein, hoffnungsvoll ohne pathetisch zu sein – das sind die großen Qualitäten im Songwriting von Jens Friebe. Auch auf „Wir sind schön“, dem neuen Album des Berliner Musikers, befindet unser Autor Conor Körber....
  • The Feelies: Debütalbum „Crazy Rhythms“ wird 40 Jahre alt
    Zwischen Small-Town-Angst und Steve Reich: Das Debütalbum der US-amerikanischen Band The Feelies ist ein Meilenstein des neurotischen Indie-Rocks. ...
  • Kelela – „Hallucinogen“ (Rezension)
    Man könnte es sich zur großen Aufgabe machen, über Kelelas neue EP „Hallucinogen“zu sprechen, ohne einmal den Namen FKA twigs in den Mund zu nehmen. Gelingt aber nicht, denn so ähnlich wie diese beiden schillernden R&B-Köpfe zu sein scheinen - ihr Unterschied wird zum interessanten Moment....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.