Villagers – "{Awayland}"

Villagers - AwaylandVÖ: 11. Januar 2013
Web: wearevillagers.com
Label: Domino

„Hört euch das Album vielleicht zuerst mal mit Kopfhörern an, ohne Ablenkung“, schreibt Conor O’Brien über die neue Platte „{Awayland}“. Wenn man damit anfängt, denkt man kurz an Bon Iver, dann kurz an Bright Eyes, dann überrascht der zweite Track „Earthly Pleasure“ mit gewitztem Text, einem Stottern und subtilen elektronischen Beats. Dann denkt man eigentlich nur noch „Villagers“. Und die Gedanken driften ab: wellenförmig, passend zur Musik. Plötzlich ist man drei Songs weiter und wähnt sich tatsächlich in einem Land ganz weit weg.

Die Villagers um Conor O’Brien waren 2012 mit Grizzly Bear unterwegs, jetzt haben sie selbst ein ByteFM Album der Woche herausgebracht. Es ist ihr zweites – das schwierige zweite Album der Band und Conor schreibt die Songs noch immer großteils allein. Aber hier wurde mitgemischt: Die Zeit, die Conor mit seinen Villagers in den letzten zwei Jahren verbracht hat, hat sie zu einer richtigen Band zusammenwachsen lassen. „{Awayland}“ ist ein Gruppenprodukt. Zwischendurch hat Conor noch ein Lied für Charlotte Gainsbourg geschrieben: „Memoir“, das auch als B-Seite auf der Villagers-Single „The Waves“ erschienen ist. Auf Gainsbourgs Aufnahme spielt Conor selbst die Gitarre und singt die Hintergrund-Vocals. Keine Frage also: O’Brien ist ein Selbermacher.

Apropos „The Waves“: Der Track ist ein gutes Beispiel für O’Briens Herangehensweise and dieses zweite Album. In einem Interview erklärte er vor Kurzem, dass er die Songs für „Becoming A Jackal“, das gefeierte erste Villagers-Album, eher akademisch angegangen war. Es gab einen Namen und ein Foto für das Albumcover, dann wurden Gedichte geschrieben, diese anschließend zu Songs geformt. „{Awayland}“ ist anders. O’Brien spielte Musik, spielte Gitarre und Synthesizer, den er sich mit YouTube-Videos angeeignet hat. Die Texte wurden anschließend geschrieben. Elektronisches gibt es auf Awayland mehr zu hören als vorher, aber wohldosiert. Das Verspielte, diese Leichtigkeit der Herangehensweise ist gerade bei „The Waves“ schön zu hören. Aber auch das ist kein Zufall. „But I need to take this intimacy to a more vibrant place“, schreibt er auf der Band-Website: Die Intimität der Lieder musste noch aufgefrischt werden. Die Ballade „In A Newfound Land You Are Free“ zeugt von dieser Intimität und von einer Sehnsucht, die sofort auf den Hörer abfärbt.

Insgesamt ist „{Awayland}“ eine besondere Platte, eben weil sie sich das traut: Intimität und Fröhlichkeit, Licht und Schatten, cleveres Songwriting und Ohrwurm-Potenzial, Akustikgitarren und Computerspiel-ähnliche Synth-Klänge zu verbinden. „{Awayland}“ lässt seine Hörer nicht sofort zum Tanzen aufspringen (manchmal, bei „Rhythm Composer“ zum Beispiel, ein bisschen). Stattdessen gilt es, zu Tracks wie „Judgement Call“ und „Nothing Arrived“ Erinnerungen aufzufrischen oder einen Roadtrip zu planen und die Songs dann auf dem Mixtape parat zu haben.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Awayland“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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