Bass gegen Brexit: Jah Wobble und die Post-Punk-Dub-Riege

Bassist John Wardle alias Jah Wobble. Seine Single „A Very British Coup“ versammelt alte PIL-Bandkollegen, Mitglieder von Killing Joke und The Pop Group sowie Produzenten Mark Andrew Weatherall für einen dissonanten Dub-Protest: Bass gegen Brexit.

Jah Wobble (Foto: Brian Marks, CC BY, via Wikimedia Commons)

Bass gegen Brexit: Am Vorabend zum Brexit am 1. Februar 2020 hat Jah Wobble einen dissonant-dubbigen Track veröffentlicht. Eine tieffrequente Anklage der Zustände in Großbritannien. Hierfür hat der ehemalige Bassist von Public Image Ltd fast seine gesamte alte Band zusammengetrommelt. Gitarrist Keith Levene und Drummer Richard Dudanski waren mit Wobble dabei, als PIL „Metal Box“ aufnahmen. Nicht nur die Verpackung des Albums erreichte ikonischen Status. Es rangiert heute auch musikalisch an prominenter Stelle im Post-Punk-Kanon.

Nur einer fehlt: Sänger John Lydon, der sich mit PIL von seinem erdrückenden Sex-Pistols-Image befreite. Und mit ihnen für radikale musikalische und ästhetische Experimente große Majorlabel-Budgets verfeuerte. Lydon und Wobble waren Jugendfreunde und entdeckten gemeinsam Reggae und Dub auf sogenannten „Blues“: illegalen Reggae-Partys, bei denen sie meist die einzigen weißen Gäste waren. Nach dem Ende der Sex Pistols überführten sie ihre Dub-Affinität in eine dissonant-groovende Musik, wie sie niemand zuvor gemacht hatte.

Post-Punk-Dub-Allianz

An der Brexit-Frage scheiden sich die Freunde, denn der in den USA wohnhafte Lydon hat mittlerweile sowohl seine Unterstützung für Donald Trump als auch für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU verkündet. Was er teilweise aber auch widerruft und nie gesagt haben möchte. Das ist Lydon. Klarer liegt der Fall bei Wobble: Der verortet sich politisch noch immer klar radikal links. Am Mikro ist bei „A Very British Coup“ daher nicht Lydon, der von einer Allianz für Bass gegen Brexit wenig übrighaben sollte. Stattdessen am Mikrofon: Mark Stewart, der mit The Pop Group zur gleichen Zeit wie Wobble im Anschluss an Punk Dissonanzen, Dub und Funk zusammenbrachte. Außerdem dabei: Killing-Joke-Bassist Martin Glover alias Youth an den Keyboards und hinter dem Mischpult Andrew Weatherall, Produzent von Primal Screams „Screamadelica“.

Im Januar 2020 widmete sich Ingo Scheels Sendung Flashback dem Longplayer „Album“ von Public Image Ltd. Jah Wobbles Song „A Very British Coup“ (feat. Keith Levene, Richard Dudanski, Mark Stewart, Andrew Weatherall + Youth) ist auf dem Label Cadiz Music erschienen und heute unser Track des Tages. Hört und seht ihn Euch hier an:

A VERY BRITISH COUP V7 Jah Wobble from JC Carroll on Vimeo.

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