Das Wunderkind des Psych-Soul: Shuggie Otis wird 65

Foto von Shuggie Otis

Shuggie Otis auf dem Cover seines Albums „Inspiration Information“ aus dem Jahr 1974

Es muss nicht leicht sein, der Sohn von Johnny Otis zu sein. Der US-Amerikaner war eine der Schlüsselfiguren der Pop-Musik, sowohl als Musiker als auch als Songwriter, Radio-DJ, Produzent und genereller Tastemaker. Nach seinem Tod im Jahr 2012 gab es nur wenige Nachrufe, die ihn nicht als „den Pate des Rock‘n‘Roll“ bezeichneten. Doch sein Sohn wurde trotz des riesigen Schattens, den er auf ihn warf, ein gefeierter und respektierter Soul- und Funk-Künstler. Am 30. November 2018 wird Shuggie Otis, das Wunderkind des Psychedelic-Soul, 65 Jahre alt.

Shuggie Otis wurde am 30. November 1953 in Los Angeles als Johnny Alexander Veliotes, Jr. geboren. Die Musikalität wurde ihm in die Wiege gelegt: Im Alter von zwei Jahren begann er, Gitarre zu spielen. Als er elf war, klebte er sich einen Fake-Schnurrbart ins Gesicht, um in Nachtclubs in der Band seines Vaters spielen zu können. Der klassische Rhythm And Blues seines Vaters wurde ihm jedoch bald zu langweilig. Stattdessen faszinierte ihn die Gitarrenmusik seiner eigenen Generation: Sly & The Family Stone, Jimi Hendrix, Frank Zappa. Letzteren begleitete Otis auf seinem Jazz-Rock-Opus-Magnum „Hot Rats“. Als er den komplizierten E-Bass von „Peaches En Regalia“ einspielte, war er gerade mal 15 Jahre alt. Das ist ziemlich unfassbar.

Von Frank Zappa bis Beyoncé

Seine neuen Helden beeinflussten auch den psychedelischen Soul seines ersten Soloalbums „Here Comes Shuggie Otis“, das im Jahr 1970 erschien. Nur ein Jahr später folgte „Freedom Flight“, das durch einen anderen großen Pop-Tastemaker zu einem kommerziellen Erfolg wurde: Unter der Anleitung von Quincy Jones machten The Brothers Johnson die Single „Strawberry Letter 23“ ein paar Jahre später zu einem Smash-Hit. Sein drittes Album sollte ein Mammutprojekt werden: Drei Jahre lang arbeitete Shuggie Otis an „Inspiration Information“, auf dem er fast jedes Instrument selber einspielte und auch die Produktion übernahm. Nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1974 wurde es leider ein Flop – und Otis zog sich für viele Jahre ins kreative Exil zurück.

Der große kommerzielle Erfolg war Shuggie Otis nie vergönnt – dafür offenbarte sich sein Einfluss auf den Pop erst später. So war die Acid-Jazz-Bewegung der frühen 90er-Jahre stark von Otis‘ psychedelischen, loopartigen Grooves beeinflusst – und machte im Umkehrschluss „Inspiration Information“ zu einer Kultplatte. Auch HipHop-Künstler fanden Gefallen an seiner Musik – Acts wie Beginner, Digable Planets, J Dilla und RJD2 sampleten seine Songs. Für ihr 2003er Album „Dangerously In Love“ griff Pop-Königin Beyoncé gleich zweimal zu einem Otis-Sample. Shuggie Otis mag auf den ersten Blick nicht so einflussreich sein wie es sein Vater gewesen ist – doch wer kann schon behaupten, sowohl auf einer Platte von Frank Zappa als auch auf einer von Beyoncé zu hören zu sein?

Wer mehr über das Wirken von Johnny Otis erfahren möchte, dem sei hiermit unsere Sendung That‘s Rhythm ans Herz gelegt: In der Ausgabe vom 11. November 2018 ist nämlich Otis‘ Label Dig Records Thema bei Carsten Stachowski. Mitglieder im Förderverein „Freunde von ByteFM“ können die Sendung im ByteFM Archiv nachhören.

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